Premiere im Opernhaus Zürich «Orest» will nicht mehr morden

Sie heissen Klytämnestra und Agamemnon, Elektra und Orest, die mordfreudigen Mitglieder der Familie der Atriden. Auf der Bühne liefern sie immer wieder Stoff für Dramen voller Blut und Schmerz. So auch in der Oper «Orest» von Manfred Trojahn. Die Schweizer Erstaufführung war im Opernhaus Zürich.

Die beiden Opernsänger auf einem Bett mit Metallgittern am Kopf- und Fussende.

Bildlegende: Klytämnestra (Evelyne Angela Gugolz) und Orest (Georg Nigl)... zvg Opernhaus/Judith Schlosser

Von überall kommen Stimmen. Sie irritieren das Publikum in den Logen, meint man doch, die Sängerinnen und Sänger sitzen direkt hinter einem. Vor allem aber fressen sie sich in den Kopf des Orest. Es sind die Stimmen der Erinnyen, der Rachegeister aus der griechischen Mythologie.

Wieder und wieder erinnern sie Orest an den Mord, den er an der eigenen Mutter begangen hat. Und das Morden soll weiter gehen. Die schöne Helena soll das nächste Opfer sein, dann auch noch Hermione, deren Tochter. Doch Orest will nicht mehr morden. So wenigstens sieht es Manfred Trojahn.

Komponist und Librettist

Der Deutsche Manfred Trojahn hat nicht nur die Musik zur Oper «Orest» komponiert. Er hat auch das Libretto geschrieben. Vor sieben Jahren wurde die Oper in Amsterdam uraufgeführt und im Gegensatz zu den meisten anderen zeitgenössischen Bühnenwerken wird der «Orest» weiter gespielt. Das obwohl man dafür ein riesiges Orchester braucht und ein Ensemble, das sowohl stimmlich wie auch schauspielerisch brillant ist.

In Zürich hat man alles. Einen Orest, Georg Nigl, der leidenschaftlicher nicht sein könnte. Und ein Orchester, das manchmal vielleicht wärmer klingen könnte, unter der Leitung von Erik Nielsen aber sehr souverän wirkt. Am Premierenabend gab es zwar auffallend viele leere Plätze, aber auch einen auffallend langen Applaus für alle Beteiligten.

(Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 12:03 Uhr)