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Enkeltrickbetrug Phänomen «Enkeltrickbetrug» wieder auf dem Vormarsch

Sogenannte Enkeltrickbetrüger sind im Kanton Zürich besonders aktiv. Die Kantonspolizei weiss von über 300 Versuchen, ein Viertel mehr als im Vorjahr. Zu den Opfern zählen auch Jüngere und fast immer Menschen ohne geistige Einschränkungen. Die Kantonspolizei reagiert mit einer neuen Kampagne.

Legende: Video Massive Zunahme der Enkeltrickbetrügereien abspielen. Laufzeit 7:47 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 19.12.2016.

Ein ehemaliger Bankdirektor, eine Lehrerin, eine erst 43-jährige Kindergärtnerin. Das sind drei Opfer im Kanton Zürich der international tätigen Enkeltrick-Mafia. Ihr Vorgehen: Die hochdeutsch sprechenden Kriminellen durchsuchen systematisch Schweizer Telefonverzeichnisse nach alt klingenden deutschen Vornamen wie Erika, Klaus oder Rita.

«Kennst Du mich nicht mehr», versucht der Anrufer das Opfer zu verwirren, in ein Gespräch zu verwickeln. «Wenn ein Opfer die vermeintlich echte Stimme eines Bekannten zu erkennen glaubt, stehen die Chancen für den Täter gut, dass es zu einer Straftat kommt», sagt Ermittler Peter Bächer von der Kantonspolizei Zürich.

Massive Zunahme

2016 registrierte die Kantonspolizei eine Schadensumme von bisher 773‘ 000 Franken und 337 Versuche. Das sind über ein Viertel mehr Versuche als in der Vorjahresperiode. In 22 Fällen kamen die Täter zum Erfolg. Dazu kommt jedoch eine Dunkelziffer, die gemäss einer österreichischen Studie ein Mehrfaches davon betragen dürfte. Grund ist die Scham der meisten Opfer, dass sie auf den Trick reingefallen sind. «Es trifft einen tief in der ganzen Identität. Als ob einen der Boden unter den Füssen weggezogen wird», erzählt Opfer Rita gegenüber SRF Schweiz Aktuell.

Prävention vermehrt im Internet

Präventiv-Botschaften der Polizei erreichen potentielle Opfer kaum. Niemand glaubt, auf das Vorgehen der Täter reinzufallen. Als neuen Ansatz, um vermehrt Angehörige von älteren Opfern zu erreichen, schaltet die Kantonspolizei am 21. Februar 2017 die Internetseite „Telefonbetrug.ch“ auf. Zudem werde die Zusammenarbeit zwischen Staatsanwaltschaft, Ermittlern und Präventionsfachleuten intensiviert.

Legende:
Enkeltrick-Fälle im Kanton Zürich Aufgeführt sind polizeibekannte und angezeigte Fälle. Jahr 2016: Stand 8.12.2016. Kanton Zürich
Legende:
Schadenssumme der Enkeltrick-Fälle im Kanton Zürich Jahr 2016: Stand: 8.12.2016. Kanton Zürich

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Achim Frill (Afri)
    Die alten Menschen stammen halt noch aus einer Zeit, in der man die Haustüre nicht abschloss, und der Nachbar einfach mal schnell reinkam, wenn er ein Anliegen hatte. Vertrauen war nicht nur ein hohles Wort. Das haben diese Menschen wohl bis heute nicht abgelegt. Und wir lachen sie aus.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Also, spätestens bei der Anfrage nach Geld, sollten doch allen die Alarmglocke leuten. Aber jeder Bankangestellte sollte zweimal Fragen ob sie sicher sind, dass sie nicht einem Trickbetrüger zum Opfer fallen. Oder einfach die Polizei benachrichtigen, was sie tun sollten. Helfen ist schön, aber nur am richtigen Ort.
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  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    Kann mir mal jemand erklären wiso Menschen auf den Enkeltrick reinfallen. Ich habe drei Enkel, und auch eine grosse Verwandtschaft. Erstens würden das meine Enkelkinder nie machen, und zweitens man kennt doch seine Enkelkinder. Oder sind das so einsame Menschen die froh sind wenn sich mal jemand um sie kümmert? Und dann sollten doch die Banken Alarm auslösen, wenn jemand so hohe Geldbeträge abheben will!
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    1. Antwort von Aurel Specker (Auspec)
      Haben Sie die Sendung gesehen? Es geht nicht primär um Enkelkinder, daher kommt nur der Name, sondern Bekannte ganz allgemein, zudem erkennt ein Mensch stimmen nicht so gut wie Sie denken, vorallem wenn man nicht regelmässig in Kontakt sind, wobei die Trefferquote ist ja auch nicht sehr gross von den Betrügern. Und da es ja ganz harmlos beginnt wird ein Vertrauen aufgebaut, dann auf Panik gemacht, was das natürliche Misstrauen schlussendlich niederringt. Kommt alles im Bericht vor.
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