«Platzspitzbabys» gibt es auch heute noch

Kinder von schwersüchtigen Eltern sind auch heute noch häufig auf sich alleine gestellt. Das sagt der Leiter der Therapiestation Ulmenhof in Ottenbach, Peter Burkhard. Dass das Kindswohl auch heute noch oft zu kurz kommt, hat seiner Meinung nach vor allem finanzielle Gründe.

Ein vierstöckiges weisses Haus mit blauen Fensterläden umgeben von einer grossen Wiese: die Therapiestation Ulmenhof.

Bildlegende: Die Therapiestation Ulmenhof in Ottenbach gibt suchtkranken Eltern und deren Kindern eine Chance. ZVG

Es kommt auch heute noch täglich vor, dass Kinder dasselbe Schicksal erleben, wie es die inzwischen 28-jährige Michelle Halbheer in ihrem Buch «Platzspitzbaby» beschreibt. Sie wachsen bei schwer drogenabhängigen Eltern auf und leiden Not und Hunger. Die Therapiestation Ulmenhof im Knonauer Amt nimmt sich solcher Schicksale an. Sie betreut als eine von zwei Therapiehäusern in der ganzen Schweiz nicht nur die Suchtkranken, sondern auch deren Kinder.

«  Es ist noch immer nicht klar, dass der Kindesschutz an die erste Stelle gehört. »

Peter Burkhard
Pionier der Suchttherapie

Peter Burkhard hat den Ulmenhof in Ottenbach mitbegründet. Aus seiner 40-jährigen Erfahrung sagt er, dass auch heute noch der Kindesschutz zu wenig stark verankert sei, etwa bei Ärzten, die das Arztgeheimnis höher gewichteten.

Eine Therapie kostet

Burkhard glaubt aber auch, dass es eine Frage des Geldes ist, wie hoch der Kindesschutz gewichtet wird. Wenn nämlich dem Kindswohl die oberste Priorität eingeräumt würde, dann koste das auch. Die stationäre Therapie von suchtkranken Eltern mit Einbezug der Kinder, wie im Ulmenhof, sei zum Beispiel sehr aufwändig. Auch deshalb gebe es wohl nur noch ein weiteres, vergleichbares Angebot in der ganzen Schweiz.