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Premiere Schauspielhaus Zürich Eine schauerlich schöne Aussicht

Zappenduster ist es in der grossen Schiffbauhalle. Wer schlecht sieht, hat Mühe seine Sitznummer zu lesen. Wer schlecht geht, hat Mühe mit den vielen Treppen. Aber dann sitzt man auf der Tribüne, die Augen gewöhnen sich langsam an die Düsternis und man erkennt ein Hotel, wie Horvath es nicht schauerlicher hätte erfinden können.

Szenenbild mit Edmund Telgenkämpfer, Nicolas Rosat, Markus Scheumann, Hans Kremer, Michael Maertens.
Legende: In der miefigen Lounge wird mit Worten scharf geschossen. Matthias Horn

Auf der einen Seite liegt ein Speisesaal mit dreckigen Tischtüchern und vollen Aschenbechern – ja, es wird geraucht in diesem Hotel und in dieser Inszenierung! Auf der anderen Seite eine versiffte Lounge und in der Mitte eine grosse Treppe. Sie erzählt von frühem Glanz und besseren Zeiten, und führt in den 1. Stock. Da liegen nicht nur die Hotelzimmer, da hängt vor allem das Prunkstück: Über die ganze, viele Meter lange Wand, zieht sich ein Gemälde. In wochenlanger Arbeit haben die Theatermalerinnen die «Schlacht von Pharsalos» kopiert. Und während man schon voll damit beschäftigt wäre, diese Schlacht zu studieren, geht die Schlacht im Hotel los. Worte wie Dolchstösse spuckt das Personal hier aus. Sätze wie Ohrfeigen, präzis platziert.

Grossartiges Ensemble

Wer ins Theater geht, um schöne Menschen in prächtigen Kostümen zu sehen, macht besser einen Umweg um dieses Hotel «Zur schönen Aussicht». Die Hausherrin und Regisseurin Barbara Frey inszeniert ihr Ensemble als ein ziemliches Gruselkabinett. Mit blutunterlaufenen Augen und schmutzigen Füssen schlurfen sie durchs Haus. Zeigen die schwelende Aggressivität mit einem immer gleichen, fiesen Türknallen und spucken sich die Horvath’schen Textfetzen vor die Füsse. Präzis und rhythmisch inszeniert ist das und grossartig gespielt.

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