Rassismus bei der Stadtpolizei: «Besser, aber nicht gut»

Vor fünf Jahr schlug die Zürcher Ombudsfrau Alarm: Die Stadtpolizei habe ein Rassismusproblem. Inzwischen gibt es einen runden Tisch und die Polizei anerkennt das Problem. Doch bei der Basis gebe es immer noch Handlungsbedarf.

Zwei Stadtpolizisten kontrollieren einen Schwarzen.

Bildlegende: Bei der Kommunikation gebe es noch Verbesserungspotential, findet die Stadtpolizei Zürich. Keystone

Ein junger Banker auf dem Heimweg - oder ein Ehepaar im Restaurant beim Kaffee. Alle drei wurden von der Polizei kontrolliert. Alle drei hatten das Gefühl, dass ihre Hautfarbe dabei den Ausschlag gegeben hatte, und beschwerten sich bei der Ombudsfrau.

Solche Fälle gebe es immer wieder, sagt Claudia Kaufmann, Ombudsfrau der Stadt Zürich. Anders als vor fünf Jahren, als die Ombudsfrau zum ersten Mal auf das Thema aufmerksam machte, sieht Claudia Kaufmann aber Fortschritte: «Die Polizei hat sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Sie erkennt, dass der Rassismus ein Problem ist. Das war früher anders.»

Besser kommunizieren

Sowohl Polizeivorstand Richard Wolff wie auch Kommandant Daniel Blumer seien sehr engagiert und bemühten sich um eine Verbesserung. Doch Claudia Kaufmann sagt auch: «Es gibt immer noch Fälle, die es nicht geben sollte.» In den Vermittlungsgesprächen zeige sich immer wieder, dass die Polizistinnen und Polizisten an der Basis sich schwer tun. Dafür hat Claudia Kaufmann ein gewisses Verständnis: «Bis das Problem bei der Basis angekommen ist, braucht es Zeit.»

Auch Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei sagt: «Jeder Fall, den es gibt, ist einer zuviel.» Die Polizistinnen und Polizisten würden geschult und angehalten, nur bei begründetem Verdacht zu kontrollieren. Allerdings sei dies in der Praxis nicht immer ganz einfach. Verbesserungspotential sieht Marco Cortesi vor allem bei der Kommunikation. Die Polizistinnen und Polizisten könnten die Gründe für die Kontrolle noch besser erklären.

Unzufriedenheit bei den städtischen Angestellten

Aufgefallen ist der Ombudsfrau auch der Anstieg der Beschwerden aus der Verwaltung. 28'318 Personen arbeiten bei der Stadt Zürich. 200 von ihnen sind derart unzufrieden, dass sie sich an die Ombudsfrau gewandt haben. Claudia Kaufmann will aber nicht von einer generellen Unzufriedenheit sprechen. Sie erklärt den Anstieg von 154 Fällen (2013) auf 200 Fälle (2014) in ihrem Jahresbericht damit, dass die Stadt ein internes Beratungsangebot für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt hat.

Allerdings fiel auch der Ombudsfrau auf, dass die Fälle nicht nur zugenommen haben, sondern dass sie auch komplexer wurden.