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Schlechte Arbeitsbedingungen Arbeitsstreit bei Sicherheitsfirma am Flughafen Zürich

Legende: Video Sicherheitspersonal übt scharfe Kritik abspielen. Laufzeit 02:32 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 27.11.2017.

Sie bewachen Flugzeuge, kontrollieren Waren vor dem Verlad oder prüfen Reisedokumente von Passagieren ein zweites Mal: Mitarbeitende von Checkport, einer Tochterfirma von Swissport. Angestellt sind sie im Stundenlohn – und sie klagen über schlechte Arbeitsbedingungen.

Ein Mitarbeiter sei einmal beim Bewachen eines Flugzeugs eingeschlafen, weil er derart übermüdet gewesen sei, erzählt eine Checkport-Angestellte. Durch das Stundenlohn-Modell gebe es immer wieder spontane Arbeitseinsätze und teilweise sehr lange Präsenzzeiten am Flughafen.

Sie habe auch schon von acht Uhr morgens bis elf Uhr in der Nacht am Flughafen arbeiten müssen – um am nächsten Morgen wieder um acht Uhr für die nächste Schicht bereit zu sein. «So wird die Sicherheit klar gefährdet», sagt die Angestellte, welche seit fünf Jahren für Checkport arbeitet und anonym bleiben möchte.

Lange Pausen, lange Präsenzzeiten

Mittlerweile ist die Gewerkschaft Unia aktiv geworden. Über 50 Mitarbeitende der insgesamt rund 170 Angestellten von Checkport hätten ein Verhandlungsmandat für die Gewerkschaft unterschrieben, weil sie mit der Arbeitssituation unzufrieden seien. Hauptkritikpunkt sind die vielen Pausenzeiten zwischen den Einsätzen – so entstünden für die Mitarbeitende lange Präsenzzeiten am Flughafen, aber nur wenige vergütete Arbeitsstunden.

Die Mitarbeitenden müssten während der Pausen aber dennoch auf Abruf bereit sein, wenn etwa ein Flugzeug früher landet als geplant. «Für uns ist es ziemlich klar, dass eine juristische Beurteilung einen Bruch des Gesamtarbeitsvertrags feststellen würde», sagt Lorenz Keller, Co-Geschäftsleiter der Unia Zürich.

Checkport kritisiert Vorgehensweise

Dies weist Heinz Giesen, Vizepräsident der Personalabteilung von Checkport in aller Deutlichkeit zurück. Die Geschäftsleitung kritisiert vor allem die Form, in der die Kritik von Seiten der Angestellten und der Unia an sie herangetragen wurde: «Die Personalkommission wurde übergangen, und 40 Leute haben den Auftrag für das Verhandlungsmandat bereits wieder zurückgezogen, nachdem sie die teilweise abstrusen Vorwürfe gehört haben», sagt der Checkport-Verantwortliche.

Auch den Bruch von Arbeitsgesetzen weist Giesen zurück: «Unser System lässt gar nicht zu, dass es zu unkorrekten Arbeitseinteilungen kommt». Dass die Angestellten der Sicherheitsfirma im Stundenlohn angestellt seien, mache deshalb Sinn, weil der Arbeitseinsatz rund um den Flugverkehr viel Flexibilität erfordere.

Bislang keine Einigung

Bei einem ersten Treffen zwischen der Geschäftsleitung, betroffenen Angestellten und der Unia fanden sich die Parteien deshalb nicht. Die Gewerkschaft hat den Checkport-Verantwortlichen einen Fragekatalog vorgelegt. Je nachdem wie die Antworten ausfielen, überlege man sich weitere Schritte – etwa die juristische Beurteilung, ob das Checkport-Einsatzmodell gegen den Gesamtarbeitsvertrag verstosse, so die Gewerkschaft Unia.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Oh, die Berufsgruppe hatte ich in der wachsenden Liste der profitabel Ausgebeuteten voll vergessen. Also nochmals: Pöstler, Paketdienstfahrer, Chauffeure, operatives Bahnpersonal, Verkaufspersonal, Reinigungskräfte, Bauarbeiter, Coiffeure, Floristen, Sicherheitspersonal. Keine Sorge, bald sind auch SIE drauf.
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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Unzufrieden Sicherheitsleute sind eine Gefahr. Anständig entlöhnen. Andernfalls Flughafen Zürich schliessen. Sonst kommt es noch soweit, dass Terroristen einem solchen Mitarbeiter einen grossen Geldschein zustecken und passieren können.
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