«Schleier & Entschleierung»: Neue Argumente für alte Diskussionen

Der Schleier ist hierzulande zum Politikum geworden. Bedeutet der Schleier Zwang oder Freiheit? Welche Motive gibt es, einen Schleier zu tragen? Die neue Ausstellung der Pädagogischen Hochschule Zürich nimmt die Diskussion jetzt auf und fördert ein differenziertes Hinsehen.

Seit die Stimmberechtigten im Tessin vor zwei Monaten Ja gesagt haben zu einem Burka-Verbot, steht das Thema in der ganzen Schweiz ganz weit oben auf der politischen Agenda. Soll muslimischen Frauen verboten werden, eine Burka, einen Niqab oder einfach ein Kopftuch zu tragen?

Die neue Ausstellung der Pädagogischen Hochschule Zürich beleuchtet diese und andere Fragestellungen. «Schleier & Entschleierung» liefert viele Fakten - zum Beispiel, dass es ausgerechnet der christliche Apostel Paulus war, der den Frauen zum ersten Mal in der Geschichte aus religiösen Gründen einen Schleier aufzwang.

Wahrnehmung zwischen Freiheit und Bedrohung

Die Ausstellung erzählt aber auch viele Geschichten, zum Beispiel jene der Genfer Lehrerin, die das Kopftuch nach ihrer Konvertierung als Befreiung erlebte, als Befreiung vom Zwang, als Frau immer schön, jung und begehrenswert sein zu müssen.

Als sich immer mehr Eltern dagegen wehrten, dass ihre Kinder von einer verschleierten Frau unterrichtet werden, verzichtete sie im Unterricht darauf, den Schleier zu tragen. Die Ausstellung wirft also auch viele Fragen auf, zum Beispiel zur Ambivalenz des Schleiers und den Verschleierten.

Antworten liefert die Ausstellung hingegen nicht. Inwiefern der Schleier die Frauen unterdrückt, diese Frage muss jede Besucherin und jeder Besucher für sich selbst beantworten.