Schrill, aber grossartig: «Der Bürger als Edelmann»

In Molières Komödie treten die Figuren in schrillen Kostümen auf, die Schauspielhaus-Produktion kommt aber leicht und elegant daher. Und sie hält uns den Spiegel hin: alle möchten gerne Karriere machen und etwas anderes sein als sie sind.

Sitzende und stehende Personen, farbig angezogen, einige mit Federn auf dem Kopf.

Bildlegende: Der «Büger als Edelmann» trägt für seinen gesellschaftlichen Aufstieg auch Federn auf dem Kopf. zvg / Toni Suter, T + T Fotografie

Monsieur Jourdain, der vermögende Kleinbürger wäre gerne ein Adliger. Um aufzusteigen stellt er einen Musiklehrer, einen Tanzlehrer sowie einen Philosophen ein. Auch seine Tochter gehört zum Projekt «gesellschaftlicher Aufstieg», den gutbürgerlichen Kaufmann, den sie liebt, darf sie nicht heiraten.

Molière skizziert Monsieur Jourdan in seiner Kömödie «Der Bürger als Edelmann» als Karrieristen, der nicht so sehr komisch ist, als vielmehr präzis beobachtet und erstaunlich aktuell ist: Jeder wäre gerne ein anderer. Die Künstler wollen politisieren, die Metzgerssöhne verraten ihre Väter und die Bürgerlichen schmeissen sich in exaltierte Mode.

Der fast 85-jährige Regisseur Werner Düggelin serviert die Molière-Komödie auf der Pfauenbühne des Zürcher Schauspielhauses leicht und elegant. Die Figuren treten in schrillen Kostümen auf die Bühne und spazieren in die geheimen Winkel der Menschenseele. Voller Naivität sind sie, und doch lacht man nicht über sie, sondern mit ihnen über uns selbst: ein grossartiges Theatervergnügen.

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