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Schwieriger Kampf «Whistleblower werden oft zum Täter gemacht»

Die Schlagzeilen zum Bündner Baukartell wecken Erinnerungen bei Esther Wyler, die in Zürich einen Skandal publik machte.

Legende: Video Schwieriger Kampf der Whistleblower abspielen. Laufzeit 6:07 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 09.05.2018.

Adam Quadroni: So heisst der Mann, welcher das Unterengadiner Baukartell auffliegen liess. Ein Kartell, das sich über Jahre Aufträge in Millionenhöhe zu überhöhten Preisen zugeschanzt hatte. Quadroni, der Whistleblower, prangerte an und verlor alles. Sein Geschäft, seine Familie, seinen Ruf.

Der Fall weckt Erinnerungen bei Esther Wyler. 2007 deckte sie zusammen mit einer Kollegin Missstände im Stadtzürcher Sozialdepartement auf. Wegen Amtsgeheimnisverletzung wurde sie verurteilt und entlassen.

Seither hat die 59-jährige Controllerin nie mehr eine feste Anstellung gefunden. Für sie ist es eine bittere Erfahrung: «Es läuft immer wieder gleich ab. Wer Missstände aufdeckt, wird zum Täter. Und wer etwas Illegales begangen hat, wird als Opfer dargestellt». Wyler wünscht sich ein Umdenken und eine neue Fehlerkultur.

Experten raten vom Whistleblowing ab

Zurzeit ist dies noch nicht der Fall. Sogar Strafrechtsexperte und Ständerat Daniel Jositsch rät potentiellen Whistleblowern aufgrund der aktuellen Gesetzgebung davon ab, mögliche Missstände an die Öffentlichkeit zu bringen.

Die Gefahr, dass die Fehlermelder am Schluss den Kürzeren ziehen, ist sehr gross.
Autor: Daniel JositschSP-Ständerat und Strafrechtsexperte

Bei praktisch allen bekannten Fällen von Whistleblowing sei dies am Schluss so passiert. Der Bundesrat überarbeitet zurzeit einen Gesetzesentwurf, der die Situation für Whistleblower verbessern soll. Ein Kündigungsschutz, wie ihn andere Länder kennen, ist darin allerdings nicht vorgesehen.

19 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Räumelt (Monte Verita)
    Der Verräter arbeitet darauf hin, dass die Seele einer Nation verfault. Er treibt sein Unwesen des Nächtens - heimlich und anonym - bis die Säulen der Nation untergraben sind. Er infiziert den politischen Körper der Nation dergestalt, bis dieser seine Abwehrkräfte verloren hat. Fürchtet nicht so sehr den Mörder. Fürchtet den Verräter. Er ist die wahre Pest!" Marcus Tullius Cicero
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    1. Antwort von martin blättler (bruggegumper)
      Wer ist denn der Verräter?Derjenige,der den Staat durch Korruption schädigt oder derjenige,der den Staat schützt durch seine Enthüllung?Brutus war Held und Verräter.Die Republik Rom wurde von Cäsar zerstört.Ein Brutus 1933 hätte der Welt viel Leid erspart.
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  • Kommentar von Sarah Maier (S. Maier)
    Ob jemand zu häuslicher Gewalt neigt, oder ob er überhaupt nicht zur Kategorie des Schlägers gehört: Das entscheiden Psychiater oder mindestens Psychologen. Übrigens auch bei Jugendlichen. Bei Herrn Quadroni wagte man sich mit der Hypothese, er sei gewalttätig, auf dünnes Eis. Man liess die Hausärztin aussen vor, wollte es gar nicht wissen. Mehr und mehr lassen Psychologen sich von Ämtern anstellen. Dort verdienen sie mehr als wenn sie praktizieren und die Patienten BESSER kennen.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Es gehört eine politisch unabhängige Stelle geschaffen, mit Fachleuten, die Whistleblower Schutz garantieren können. Dabei tritt nicht mehr der Whistleblower in den Vordergrund, sondern diese Fachleute vertreten den Whistleblower geheim und geschützt, bis der Fall eindeutig geklärt ist und die Missstände behoben sind. Der Whistleblower unterstützt im geschützten Rahmen die Ermittlungen. Wenn das System einmal etabliert ist -werden die Missbräuche langsam verschwinden -weil Aufdeckung droht .
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