Zum Inhalt springen
Inhalt

Zürich Schaffhausen Strafe für «Lambada-Amokfahrer» halbiert

Das Zürcher Obergericht hat eine erstinstanzliche 15-jährige Freiheitsstrafe gegen einen heute 28-jährigen Mann aus Schönenwerd auf siebeneinhalb Jahre halbiert. So haben die Oberrichter die Amokfahrt an der Langstrasse zwar bestätigt, die vorherigen Sexualdelikte neu als nicht erwiesen eingestuft.

Legende: Video Lambada-Prozess vor dem Obergericht abspielen. Laufzeit 04:26 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 27.01.2015.

Es war Ende März 2014, als das Bezirksgericht Zürich den heute 28-jährigen Beschuldigten, einen Schweizer, wegen mehrfacher Vergewaltigung, mehrfacher sexueller Nötigung, versuchter schwerer Körperverletzung, fahrlässiger Tötung, fahrlässiger schwerer Körperverletzung sowie weiteren Nebendelikten zu einer hohen Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilte.

Das Bezirksgericht sah es als erwiesen an, dass der Beschuldigte in der Nacht auf den 10. Februar 2012 im Zürcher Rotlicht-Milieu eine brasilianische Prostituierte mit einer Stahlrute brutal geschlagen und wiederholt vergewaltigt hatte. Danach setzte er sich in sein Auto und fuhr vor der Lambada-Bar an der Zürcher Langstrasse in eine Menschengruppe. Ein 39-jähriger Mann erlitt dabei ein schweres Schädelhirntrauma, an dem er im Spital starb. Vier weitere Personen wurden teilweise schwer verletzt.

Wende am Obergericht

Am Dienstag kam es vor dem Obergericht zu einer bedeutenden Wende. Dafür war vor allem die Zeugenaussage der brasilianischen Prostituierten verantwortlich. So hinterliess die heute 41-jährige Barmaid vor Obergericht einen insgesamt schlechten Eindruck. Sie verwickelte sich während der richterlichen Befragung in zahlreiche Widersprüche und leistete damit der Version des nur teilgeständigen Beschuldigten Vorschub.

Während die Geschädigte behauptet hatte, dass sie schon auf offener Strasse vom Beschuldigten mit einer Stahlrute geschlagen und danach verschleppt sowie in einem Zimmer mehrfach vergewaltigt worden sei, hatte der Angeschuldigte erklärt, dass es erst nach dem einvernehmlichen und käuflichen Geschlechtsverkehr zu einem Streit wegen des Preises gekommen sei. Dabei habe er der Angreiferin einen Schlagstock entwendet und damit auf sie eingeschlagen.

5000 Franken Schmerzensgeld

Bei der Zeugenaussage behauptete die Geschädigte zudem, dass sie sich nicht als Prostituierte betätigt habe - für das Obergericht in unglaubhafter Weise. Das Gericht sah schliesslich aufgrund des Verletzungsbildes nur die Schläge mit einem Schlagstock und damit eine versuchte schwere Körperverletzung als erwiesen an, nicht aber die eingeklagten Vergewaltigungen oder sexuellen Nötigungen.

Dies führte zu gewichtigen Teilfreisprüchen von den Sexualdelikten sowie zu einer Strafreduktion von siebeneinhalb Jahren. Zudem soll der Beschuldigte der Brasilianerin ein Schmerzensgeld von nur noch 5000 Franken statt 13'000 Franken bezahlen. Beide Parteien können den jüngsten Entscheid weiterziehen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Klein, Bern
    Warum nur 15 Jahre? Der Mann wurde von niemandem gezwungen, sich zu betrinken. Er wurde von niemandem gezwungen, Auto zu fahren – und er hätte auch stark alkoholisiert sicherlich auf die Frage, ob man dann noch fahren darf, gelallt, dass man es NICHT darf. Diese Aspekte sollten besonders strafverschärfend (!) berücksichtigt werden. 25 Jahre sind für die mutwillige (!)Tötung eines Menschen nicht zuviel. Und auch die Schäden der Verletzten sind nach 15 Jahren sicherlich nicht "weg"!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ursula Morf, Thun
    Huch, jetzt wissen wir aber alle, dass er ein Schweizer ist. (Mit oder ohne Migrationshintergrund?) Wir sind ja auch in der Schweiz. Müssen wir generell annehmen, dass es sich in solchen Fällen, wenn keine Nationalität angegeben wird, um keinen Schweizer handelt? Meistens wird ja die Nationalität verschwiegen. Für mich als (Stimm)bürgerin wären solche Informationen aber wichtig. Denn für mich zählt die Wahrheit, nicht irgendwelche Ideologien.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Pascal Padrutt, 8000 Zürich
      @Morf. Frau Morf, wieso ist das für Sie wichtig, zu wissen, was für ein Landsmann ein Verbrecher ist? Führt doch danach nur zu "Stammtischpauschalisierung". Wenn's ein Ausländer ist, dann sind alle von dort, abartig. Wenn's ein Schweizer ist, dann handelt es sich um ein krankes Geschöpf. Merken sie was?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von K.D.Waldeck, Bellinzona
    Ich bekunde Mühe damit zu begreifen das ein Mensch zu einem derartigen Verhalten überhaupt fähig ist. Dieser Mensch scheint mir ein perfektes Abbild der Perversion. Mit 27 Jahren sollte der Verstand und die Gefühlswelt eigentlich in Ordnung sein, da ist wohl Hopfen und Malz definitiv verloren. Das das Bundesgericht sich auch noch mit dieser Person befassen muss ist schon eher ein Hohn für unser Justizsystem.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen