Streit um Brückenangebote: Bildung erhält Vorrang

Jugendliche im Kanton Zürich, die keine Lehrstelle finden, sollen primär ein Berufsvorbereitungsjahr besuchen. Dieses ist im Gegensatz zum Programm der Arbeitslosenkasse kostenpflichtig. Mit einem neuen, günstigeren Angebot sorgt das Berufsbildungsamt nun für neue Konkurrenz.

Eine fremdsprachige junge Frau bei der Arbeit in einem Programm, das sie auf eine Lehr- oder Arbeitstelle vorbereiten soll.

Bildlegende: Das neue, betriebliche Berufsvorbereitungsjahr soll Jugendliche ohne Lehrstelle auf die Arbeitswelt vorbereiten. Keystone

Das Berufsvorbereitungsjahr kostet Eltern im Kanton Zürich 2500 Franken. Für das neue, betriebliche Berufsvorbereitungsjahr, das es ab August erstmals gibt, müssen sie nur noch 500 Franken zahlen.

Das neue Angebot sei eine wichtige Ergänzung zum bestehenden Brückenangebot, sagt Marc Kummer, Leiter des Mittelschul- und Berufsbildungsamts (MBA) des Kantons Zürich: «Es gibt Jugendliche, die besser an die Arbeitswelt herangeführt werden, wenn dies möglichst betriebsnah geschieht.» Dafür eigneten sich insbesondere Personen, die kaum schulische Defizite hätten, aber etwa Mühe mit selbständigem Arbeiten.

Wo liegt der Unterschied?

Das neue, betriebliche Berufsvorbereitungsjahr, ähnelt aber sehr stark einem anderen Brückenangebot, das beim Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) angesiedelt ist. Dieses bietet sogenannte Motivationssemester für arbeitslose Jugendliche an, also ebenfalls für Jugendliche, die nach der Schulzeit keine Lehrstelle gefunden haben. Der grösste Unterschied dabei ist, dass das Motivationssemester nichts kostet und die Jugendlichen erst noch ein Taggeld der Arbeitslosenversicherung erhalten. Allerdings dauert es nur ein halbes Jahr.

Ein erster Zwischenschritt

Die Nähe der beiden Brückenangebote hat zu einer Reihe von Sitzungen zwischen den beiden Ämtern geführt. Beide Stellen bestätigen entsprechende Recherchen des «Regionaljournal Zürich Schaffhausen». Das erste konkrete Resultat der Gespräche: Eine von beiden Ämtern gemeinsam verfasste Broschüre soll Eltern, Schulen, Berufsberatungsstellen und Regionalen Arbeitsvermittlungszentren klarer aufzeigen, welches Angebot zu welchem Jugendlichen passt.

Eine Lösung sei dies aber noch nicht, sagt Amtsleiter Marc Kummer. Der Dialog mit dem Arbeitsamt werde fortgeführt. Immerhin hätten die Gespräche schon gezeigt - und darum sei man froh - «dass grundsätzlich gilt: Bildung vor Arbeitslosigkeit.»

(simd; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 06:30 Uhr)