Tatort Gericht: Pensionierter Angestellter schreibt Krimi - blind

41 Jahre lang arbeitete der blinde Ewald Leu am Zürcher Bezirksgericht. Nun wird er pensioniert - und veröffentlicht einen Krimi mit dem Titel: «Vergeltung». Mit einigen Toten - und sogar einem toten Gerichtspräsidenten.

«Vergeltung» heisst der Krimi des frisch Pensionierten Ewald Leu. Hier sterben viele, sogar der Gerichtspräsident wird erschossen. Warum spielt «Vergeltung» ausgerechnet am Zürcher Bezirksgericht? Leus Antwort ist einfach: Weil er sich hier sehr gut auskenne. Die Räumlichkeiten, die Örtlichkeiten. Da sei es für ihn naheliegend gewesen, dass er diesen Ort als Tatort gewählt habe. Die Handlung seines Krimis aber habe mit der Realität überhaupt nichts zu tun. Er habe das Justizsystem nicht als korrupt erlebt.

In seinen 41 Jahren am Bezirksgericht hat der Blinde Ewald Leu einiges erlebt, zum Beispiel den Prozess gegen die Fraumünsterposträuber.

Als Teenager erblindet

Er könne schreiben wie Sehende und sei sehr dankbar, dass er als Kaufmännischer Angestellter am Bezirksgericht habe arbeiten können. «Ich habe nie von der IV abhängig sein wollen. Und ich bedaure es sehr, dass es immer weniger Stellen für Sehbehinderte gibt», sagt Leu im Interview mit dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen». Leu erblindete wegen eines Unfalls als Teenager. Weil er früher habe sehen können, seien ihm die Farben immer noch präsent.