100 Jahre SVP Tellerwäscherkarriere einer politischen Partei

In den letzten vierzig Jahren hat sich die Schweizerische Volkspartei aus der Krise zur stärksten Kraft im Land gemausert. Triebfeder dieser Entwicklung war der Zürcher Christoph Blocher. Eine Annäherung an das Phänomen SVP.

Feld mit Traktor, im Hintergrund Bauernhof

Bildlegende: Das Zürcher Unterland ist das Stammland der Zürcher SVP: Spargelfeld bei Flaach. Keystone

  • «Bei uns auf dem Land ist die SVP die beste Partei. Wichtig ist, dass sie nicht so hochgekotzt reden mit den einfachen Leuten.»
  • «Mich fasziniert, dass Christoph Blocher grundsätzlich gegen alle aufstehen und sehr gut argumentieren kann.»
  • «Wir sind schon auch weltoffen, aber wir sind bodenständig. Ich will den Hag zumachen und niemanden mehr reinlassen.»

Drei Stimmen aus Flaach, eingefangen von unserem Reporter. Das Dorf im Zürcher Weinland ist eine SVP-Hochburg. Bei den letzten Nationalratswahlen wählten 51 Prozent der Stimmberechtigten die Partei von Christoph Blocher. Wie schafft es die SVP, jeden zweiten Stimmbürger, jede zweite Stimmbürgerin für sich zu gewinnen?

Aus der Krise...

Noch vor vierzig Jahren steckte die SVP in der Krise. Die einstige Bauernpartei hatte so wenig Wählerinnen und Wähler wie nie zuvor. Dann kam Blocher. Aus der serbelnden Mittepartei machte er eine konservative Partei am rechten Rand der Politskala. Nun gewann die SVP eine Wahl nach der anderen. Im Alleingang versenkte sie den Schweizer Beitritt zum EWR und ist heute stärkste Kraft im Land.

...gegen den Zeitgeist...

Die Erfolgsgeschichte der SVP beeindruckt auch den Zürcher Politologen Michael Hermann. Ihren Ursprung ortet er in der Person Christoph Blochers. In der Krise habe die SVP mit dem Zeitgeist gehen und grün werden wollen. «Aber», so Hermann, «Blocher machte genau das Gegenteil.» Und fand damit Anklang.

...mit provokativem Stil...

Sein provozierend-aggressiver Stil, kombiniert mit dem bäuerlich-bürgerlich gesetzten Urstil der Partei, fand Aufmerksamkeit. Blocher gewann damit neue Anhänger, besonders aus anderen bürgerlichen Parteien. Ein Meilenstein in dieser Entwicklung war laut Hermann die EWR-Abstimmung.

...zu immer mehr Anhängern

Und woher kommt die hohe Effizienz der Blocher-Partei? «Die wachsende Anhängerschaft der SVP war durchmischt, die SVPler identifizierten sich über gemeinsame Anliegen und Themen», sagt Hermann. «Das gab ihnen stets die Energie, für ihre Überzeugungen zu kämpfen.»

Chronologie des SVP-Erfolgs

  • 1917: Im kleinen Tonhallesaal wird die Zürcher Bauernpartei gegründet.
  • 1937: Die Bauernpartei wird Mitglied der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei.
  • ab 1950: Die BGB verliert in den Zürcher Parlamenten immer mehr Sitze.
  • 1971: Aus der Zürcher BGB entsteht die Schweizerische Volkspartei SVP.
  • 1977: In einer Kampfwahl wird Christoph Blocher Präsident der Zürcher SVP.
  • 1987: SVP-Politiker Hans Hoffmann schafft den Sprung in den Regierungsrat.
  • 1989: Die SVP organisiert die erste Albisgüetlitagung.
  • 1992: Als einzige Partei votiert die SVP gegen den EWR-Beitritt und gewinnt.
  • 1994: Die SVP macht mit ihrem Messerstecher-Inserat Negativschlagzeilen.
  • 1996: Ueli Maurer wird Präsident der SVP Schweiz.
  • 1998: Der Zürcher SVP-Regierungsrat Hans Hoffmann wird Ständerat.
  • 1999: Christoph Blocher kandidiert vergeblich für den Bundesrat.
  • 2003: Nach Aufhebung der Zauberformel wird Christoph Blocher Bundesrat.
  • 2007: Eveline Widmer Schlumpf verdrängt Christoph Blocher aus dem Bundesrat.
  • 2008: Die SVP schliesst Widmer-Schlumpf aus, Ueli Maurer wird Bundesrat.
  • 2010: Der SVP gelingt ein Volks-Ja zur Ausschaffungsinitiative.
  • 2011: Die SVP lanciert die Masseneinwanderungsinitiative.
  • 2014: Das Stimmvolk nimmt die Masseneinwanderungsinitiative an.
  • 2015: Bei den Wahlen erreicht die SVP rekordhohe 29,4 Prozent Wähleranteil.
  • 2016: Der SVP gelingt das Volks-Ja zur Durchsetzungsinitiative.