«Unterhosentheater» in Zürich-West

Vor 15 Jahren begann in Zürich mit der Eröffnung des Schiffbaus eine neue Theater-Epoche. Wir blicken zurück auf eine bewegte Geschichte.

Als das Schauspielhaus im Jahr 2000 in den Kreis 5 einzog, konzentrierte sich vieles auf eine Person: Christoph Marthaler. Damals sorgte der Schiffbau für viele positive Schlagzeilen. Und Marthaler, damals neu gebackener künstlerischer Direktor des Schauspielhaus, schwärmte: «Hier sind die schönsten Werkstätten, es gibt eine traumhafte Halle. In dieser Halle werden wir Theater spielen.»

Doch schon bald verwandelte sich der Theatertraum in einen finanziellen Albtraum. Die Kosten liefen aus dem Ruder, der Bau war am Ende 11 Millionen Franken teurer als geplant. Plötzlich war die Rede von einem «Finanzdebakel».

Dazu kam ein Einbruch bei den Besucherzahlen. Das eigenwillige Theater Christoph Marthalers kam beim Stammpublikum nicht an. Beinahe die Hälfte der Abonnenten kündigte. Die SVP forderte, man solle den Schiffbau wieder schliessen.

Erst Barbara Frey schaffte die Wende

Dazu kam es zwar nicht, doch Marthaler wurde entlassen. Obwohl der Verwaltungsrat aufgrund massiver Proteste diese Kündigung zurücknehmen musste, warf Christoph Marthaler 2004 den Bettel hin.

Auf ihn folgte Matthias Hartmann als neuer Direktor. Auch ihm gelang es jedoch nicht, den Schiffbau rentabel zu führen. Und so verliess auch er nach vier Jahren den (sinkenden) Schiffbau.

Seit der Spielzeit 2009/10 steht mit Barbara Frey zum ersten Mal in der Geschichte des Schauspielhauses eine Frau am Steuer. Sie bezeichnet den Schiffbau als «ideale Ergänzung zur Pfauen-Bühne».

Mit ihr gelang auch die Wende. Unter ihrer Leitung schippert der Schiffbau in ruhigem Fahrwasser; die Zahlen stimmen, und auch die künstlerische Richtung, die Barbara Frey eingeschlagen hat, kommt beim Publikum an.

«Schiffbaufest»

Alle Informationen und einen Zeitplan zur Jubiläums-Feier finden hier.