Von Mieten, Streik und Wurst mit Senf: Die 1. Mai-Reden in Zürich

Marina Carobbio (Mieter-Vertreterin aus dem Tessin), Panagiotis Katsaros (Streikführer aus Griechenland) und Susi Stühlinger (Slam Poetin aus Schaffhausen) sprachen über den Kampf für mehr Gerechtigkeit, über gierige Banken und Arbeitgeber, die nicht hören wollen.

Weisses Plakat mit Aufschrift "Renten", dahinter marschieren viele Menschen.

Bildlegende: Hier noch am Umzug mit Stadtrat André Odermatt (2.v.r.): Rednerin Nationalrätin Marina Carobbio (3.v.r.). Keystone

Marina Carobbio, Präsidentin des Mieter-Verbandes

Es sei höchste Zeit für mehr Lohngerechtigkeit - und damit verbunden auch für flankierende Massnahmen gegen Mietexplosionen, sagte SP-Nationalrätin Marina Carobbio in ihrer Rede. In Zürich arbeiteten gelernte Verkäuferinnen für 2800 Franken netto pro Monat, und ein Angestellter der Uhrenindustrie im Tessin erhalte 2900 Franken.

Das sei gerade mal so viel, wie der CS-Konzernchef Brady Dougan in fünf Minuten verdiene. Marina Carobbio machte sich für die Initiative «AHV Plus» und die 1:12 Initiative der JUSO stark. Daneben brauche es ein starkes Mietrecht gegen überhöhte Anfangsmieten und missbräuchliche Kündigungen.

Panagiotis Katsaros, griechischer Streikführer

Panagiotis Katsaros rief alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dazu auf, für ihre Anliegen zu kämpfen und kritisierte die Sparpolitik der Europäischen Union. «Sie meinten, dass Griechenland eine einmalige vorübergehende Sache ist, weil die Griechen faul sind und sie denken, dass wir unsere Lehre bekommen müssen, damit wir Europäer werden!» Laut Panagiotis Katsaros wurde ursprünglich ein Europa der Völker versprochen. Heute sei es ein Europa der Banken und Gier.

Susi Stühlinger, AL-Kantonsrätin (SH) und Slam Poetin

Sie habe eigentlich etwas Lustiges schreiben wollen, sagte Susi Stühlinger. Doch ihr sei nichts Lustiges eingefallen. Rhetorisch richtete sie deshalb die Frage an die Arbeitgeber: «Was wollen wir neue Forderungen stellen,wenn ihr euch weigert, die alten zu erfüllen?» Und sie betonte:  «Wir sind mehr als eure Produktionsfaktoren, die ihr zusammen mit der Produktion verlagert und vernichtet habt - wir sind Menschen aus Fleisch und Blut, nicht Kostenfaktoren, Gewinnmaximierung und Shareholdervalues.» Sie forderte deshalb - ganz nach dem Motto des 1. Mai-Komitees -  alles für alle, vom Rindsnierstück bis zur Wurst mit Brot und Senf.