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Wahl des obersten Reformierten «Die Opposition gegen Gottfried Locher darf nicht aufgeben»

Die Zürcher Pfarrerin Rita Famos hat am Sonntagabend den amtierenden Präsidenten des Schweizerisch-Evangelischen Kirchenbundes, Gottfried Locher, herausgefordert und mit einem Drittel der Stimmen einen Achtungserfolg erzielt. Im Interview spricht sie über ihre Forderungen nach der Wahl.

SRF News: Rita Famos, wie interpretieren Sie das Wahlergebnis?

Rita Famos: Das Wahlergebnis ist beachtlich. Beachtlich nicht für mich, sondern für Gottfried Locher, den Rat und die Abgeordneten. Man hat mir unterstellt, meine Kritik sei an den Haaren herbeigezogen. Wenn nun ein Drittel der Delegierten für mich gestimmt hat, tut man gut daran, auf diese Stimmen zu hören.

Was erwarten Sie denn nun von Gottfried Locher?

Ich wünsche mir, dass Gottfried Locher sieht, dass hinhören ein wichtiger Teil der Führung ist. Er sollte darüber nachdenken, was die Delegierten möchten, die für mich gestimmt haben.

Bei dieser Wahl hat sich also eine Opposition gebildet. Wie soll es mit dieser Gruppe weiter gehen?

Ich möchte sie ermutigen, die Wahl zu akzeptieren, aber nicht aufzugeben. Sie sollen sich bei künftigen Wahlen zur Verfügung stellen, um so Einfluss zu nehmen.

Mit Ihnen wäre die erste Frau an die Spitze der Schweizer Reformierten gewählt worden. Waren die Reformierten dafür einfach noch nicht bereit?

Nein. Es ging bei der Wahl nicht um Mann oder Frau. Ich hätte die reformierte Kirche gerne als erste Frau präsidiert, gerade im Jubiläumsjahr der Reformation.

Die reformierte Kirche muss lockerer mit Frauen umgehen.

Aber es ging primär um unsere Qualitäten und unseren Führungsstil. Ich bin überzeugt, dass es nicht mehr lange geht, bis die erste Frau an der Spitze der reformierten Kirche steht.

Sie treten entschieden ein für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Was muss sich da ändern bei der reformierten Kirche?

Man muss lockerer mit den Frauen umgehen. Mich hat beispielsweise geärgert, dass von Hexenjagd gesprochen wurde. Stellen Sie sich vor, man hätte bei einem Mann von Teufelswerk geredet. Oder eine Frau hätte sich den Hearings nicht gestellt. Sie wäre als feige bezeichnet worden. Es gibt fähige Frauen und fähige Männer und sie sollen dieselben Möglichkeiten haben.

Das Interview führte Raphael Rauch.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Michel (Andreas Michel)
    Frau Famos wünscht vom (bald) Bischof der CH-Reformierten: Zuhören. Als Bischof muss man aber nur hinauf-hören. Rundherum "formuliert" (SEK-Verfassung neu) er das Gehörte nur. Frauen hören (meistens) zu. Von Naut hörenh sie ihren Kindern zu. Männer erteilen auf der Jagd kurze Befehle oder nehmen sie von Führern gehorsamst entgegen, und sonst schweigen wir, um die Beute zu überraschen. "..., hinzuhören" (Lukas 8, 18)? Hochwürden, hören Wir weiterhin auch uns einfachen Christenmenschen zu?
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  • Kommentar von Edi Steinlin (Chäsli)
    Unglaublich dass dieser Locher gewählt wurde, obwohl er keine Diskussion mit Frau Famos führen wollte, dies angeblich aus Zeitgründen. Was sind das für Delegierte die sich derart über den Tisch ziehen lassen.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    "Die reformierte Kirche muss lockerer mit Frauen umgehen." - Tut sie doch, sonst hätte sie für Sie gestimmt, Frau Famos. ;-)
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    1. Antwort von Andreas Michel (Andreas Michel)
      Ihr Frauen seid für uns Faszination und Bedrohung zusammen. Für mich genauso. Unsere Religion hat verständlicherweise spätestens seit der Erbsündenlehre manifest Mühe damit. Unser kommende Bischof bekundet sie mit Formulierungen zur "Feminisierung" der Kirche und zur gesellchaftsentlastenden Funktion des Gewerbes. Was tun? Mit dem Rufer gesagt: "Metanoeite?" - "Denkt um?" Rechte Kerle, die wir ja klar doch gerne sein möchten, schaffen das - eine Herausforderung, echtem Mannsein würdig!
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