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Güsel ist Gold wert Die KEZO ist das «Mekka des Schweizer Metallrecycling»

Die Kehrichtverwertung Zürcher Oberland holt mit einer Schlackensortieranlage Edelmetalle aus dem Abfall zurück.

Legende: Video KEZO Hinwil - eine Goldgrube abspielen. Laufzeit 4:22 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 30.01.2018.

Die Anlage ragt so hoch wie ein dreistöckiges Haus auf. Der Lärm ist ohrenbetäubend, dafür stinkt die Trockenschlacke nicht, hat sie doch schon einmal einen Ofen durchlaufen. Jährlich kommen knapp 100'000 Tonnen davon aus den Kantonen Zürich, Solothurn und Wallis per Bahn und Lastwagen nach Hinwil. Hier befindet sich die modernste Schlackensortieranlage des Kontinents. «Wir sind imstande, feinste Metalle auszusortieren, dies kann sonst niemand», erklärt Geschäftsleiter Daniel Böni sichtlich stolz. Während zehn Jahren haben er und sein Team das Pionierwerk entwickelt, in dem rund 40 Millionen Franken an Investitionen stecken.

2017 hat die gigantische Maschine ihr erstes Jahr im Vollbetrieb absolviert. Auf einer Länge von rund 550 Metern, auf Förderbändern, durch Rütteln, Schütteln und Blasen trennt die Anlage Edelmetalle von weniger wertvollen Rohstoffen.

Goldgehalt wie in einer Mine

Was sich alles ansammelt, erstaunt selbst Recycling-Fachleute. 65 Kilo Gold im Wert von 2,1 Millionen Franken haben die Spezialisten aus der Trockenschlacke herausgeholt. Mit 1750 Kilo Silber erzielte die KEZO Hinwil einen Erlös von 0,8 Millionen. Je 2,5 Millionen Franken erwirtschaftete sie mit 800'000 Kilo Kupfer und 2,9 Millionen Tonnen Aluminium. «Das ist extrem viel und entspricht dem Gehalt einer Gold-, Silber- oder Kupfermine im Ausland», sagt Böni. Der Mann mit dem Gespür für Gold ist überzeugt, diese Quoten in naher Zukunft gar noch steigern zu können.

Zwar strebt die KEZO mit diesem Recycling keinen Gewinn an. Mit dem Erlös kann sie aber die Betriebs- und Kapitalkosten der Anlage decken. Ökologisch sei sie ohnehin sinnvoll, bilanziert Franz Adam vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) des Kantons Zürich. «Die Gewinnung des Metalls hat Energie gekostet und die Umwelt belastet. Wir führen die Stoffe mit geringem Aufwand wieder in den Kreislauf zurück», betont der Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft und Betriebe. Für Adam ist klar: Diese Schlackensortieranlage ist eine «Goldmarie» – in jeglicher Hinsicht.