Warum ist bei den Grünen der Wurm drin?

Der Winterthurer Stadtrat Matthias Gfeller musste unter Druck seinen vorzeitigen Rücktritt ankündigen, der Zürcher Regierungsrat Martin Graf verpasste im Frühjahr 2015 die Wiederwahl. Das sind nur die jüngsten Beispiele dafür, dass sich die Grünen in Regierungsämtern schwer tun. Was sind die Gründe?

Ein Wurm im grünen Haus: Mit ihren Regierungsmitgliedern tut sich die Partei oft schwer.

Bildlegende: Ein Wurm im grünen Haus: Mit ihren Regierungsmitgliedern tut sich die Partei oft schwer. Colourbox

Grün steht in der Politik derzeit nicht für Hoffnung und auch nicht für Aufbruch. Zusätzlich zu den Wahlniederlagen der letzten Monate gesellen sich im Kanton Zürich auch immer wieder Probleme mit Regierungsmitgliedern.

Vor wenigen Tagen kündigte in Winterthur Matthias Gfeller seinen vorzeitigen Rücktritt aus dem Stadtrat an. Neben gesundheitlichen Problemen setzte ihm auch die sogenannte Wärmering-Affäre zu. Der Stadtrat unterstellte ihm in einer Untersuchung grosse Fehler.

Im Frühjahr 2015 verpasste Martin Graf die Wiederwahl in den Regierungsrat. Ihm wurde seine Haltung in der Affäre Carlos zum Verhängnis.

Idealisten statt Karrieristen

Falls die Grünen im nächsten Frühling ihren Sitz im Winterthurer Stadtrat nicht verteidigen, ist der Zürcher Finanzvorstand Daniel Leupi der einzige Grüne in den grösseren Exekutiven des Kantons.

«Bei den Grünen hat es viele Idealisten», stellt Politologe Michael Hermann fest. «Diese haben vielleicht Mühe, ihre Rolle zu wechseln, wenn sie plötzlich in einer Regierung sitzen.» Ohnehin: Wer als Linker eine politische Karriere anstrebe, trete eher der SP bei.

Idealisten statt Karrieristen? Im Fall vom Matthias Gfeller spricht vieles für diese Erklärung. Er kämpfte mit grossem Einsatz für seine Energievorlagen und liess sich selbst von finanziellen Unregelmässigkeiten nicht bremsen.

Bei den Kleinen schaut man genauer hin

Marionna Schlatter, Präsidentin der Grünen im Kanton Zürich, hat eine andere Erklärung. Ihre Regierungsmitglieder hätten nur eine relativ kleine Partei im Rücken: «Sobald einem Politiker einer kleinen Partei ein Fehler passiert, wird das ausgekostet – auch medial.»

Eine Grüne, die wenigstens noch in einer mittelgrossen Stadt den Einzug in die Regierung geschafft hat, ist Regula Käser in Kloten. Sie fühlt sich oft als einsame Ruferin in der Wüste. «Es würde helfen, wenn ich mal einem Parteikollegen anrufen könnte, um ihn zu fragen, wie er mit solchen Problemen umgeht.»

Auch in Zukunft bei Wahlen dabei

Trotzdem: Die Grünen wollen weiterhin in den Stadträten vertreten sein und bei den nächsten Wahlen aussichtsreiche Kandidatinnen und Kandidaten präsentieren. «Daran arbeiten wir», gibt sich Parteipräsidentin Schlatter kämpferisch. Mit welchem Erfolg, das zeigt sich zum ersten Mal bei der Ersatzwahl in den Winterthurer Stadtrat im Frühling 2017.

(kueh; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)