Weniger Lehrkräfte pro Klasse: Zürcher Schulversuch bringt's

Wenn weniger Lehrkräfte eine Klasse unterrichten, dann wirkt sich das positiv aus. Die Lehrkräfte werden entlastet, und die Klassen arbeiten mit mehr Ruhe und Konzentration. So das erste Fazit des Zürcher Schulversuchs «Fokus starke Lernbeziehungen». Der Versuch soll deshalb ausgebaut werden.

Eine Lehrerin widmet sich im Klassenzimmer drei Kindern, die mit Computern arbeiten.

Bildlegende: Der Zürcher Schulversuch mit weniger Lehrkräften pro Klasse stärkt die Beziehung zwischen Kindern und Lehrkräften. Keystone

Am Zürcher Schulversuch «Fokus starke Lernbeziehungen» nehmen seit knapp einem Jahr rund 60 Klassen teil. Ziel des Versuches ist es, die Zahl der Lehrerinnen und Lehrer wenn möglich auf zwei pro Klasse zu beschränken. Die Lehrkräfte unterrichten dabei im Team oder in Halbklassen.

Ein Gewinn für alle Seiten

Die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli zieht nun ein erstes positives Fazit: Die Lehrkräfte würden von Koordinationsaufgaben und Absprachen entlastet und hätten mehr Zeit für den Unterricht. Dieser verlaufe ruhiger, und die Kinder seien mit mehr Konzentration dabei.

Die Lehrerschaft lernt um

Der Versuch stellt die Lehrerschaft aber auch vor neue Herausforderungen. Sie arbeiten selber mit schwachen, schwierigen oder fremdsprachigen Kindern. Die Fachleute für diese Fälle, zum Beispiel Heilpädagoginnen, haben nur noch beratende Funktion. Man holt sie erst, wenn es Schwierigkeiten gibt.

Laut Bildungsdirektorin Regine Aeppli funktioniert dies gut: «Die Berichte der Praktiker und Praktikerinnen bestätigen, was ich mir von diesem Versuch erhofft habe.» Der Schulversuch soll deshalb weiter ausgebaut werden. Ab Sommer 2014 werden über 2000 Schülerinnen und Schüler in 110 Klassen nach dem neuen Modell unterrichtet. Und die Bildungsdirektion schreibt eine dritte Staffel aus, für die sich weitere Schulen bis Mitte November 2014 bewerben können.

Grosse Herausforderung für die Gemeinden

Die Gemeinden rennen der Bildungsdirektion für diesen Versuch allerdings nicht gerade die Türen ein. Den Hauptgrund dafür sieht Aeppli im grossen organisatorischen Aufwand, der zu Beginn erforderlich ist. Auch funktioniert der Versuch nur, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind, wenn es zum Beispiel genügend Lehrerinnen und Lehrer mit grossen Pensen hat. Deshalb fällt die Bilanz des Lehrerinnen- und Lehrerverbands etwas nüchterner aus. "Die Klassen, die bisher im Versuch mitgemacht haben, hatten gute Voraussetzungen für den Versuch", meint die LVZ-Präsidentin Lilo Lätzsch. Für viele Schulen sei der Aufwand, um bei diesem Versuch mitzumachen, zu gross.