Weniger privates Grün, dafür mehr Gemeinschaft in Zürichs Gärten

In den kommenden Jahren muss fast jede zehnte Schrebergarten-Parzelle in der Stadt Zürich einem Neubau weichen. Ersatz gibt es kaum oder dann in Form von Gemeinschaftsgärten, also ohne eigenes Häuschen und dem eigenen Gemüsebeet.

Urban Gardening, also eigenes Gemüse in Städten anbauen, ist auch in Zürich im Trend. Trotzdem verschwinden in der Stadt Zürich in den kommenden Jahren rund 450 Schrebergartenparzellen. Das Land wird für eine neue Wohnsiedlung (Leutschenbach), ein Schulhaus (Albisrieden) oder für die geplante Eishockey-Arena der ZSC Lions (Altstetten) gebracht.

Gärten braucht es auch in Zukunft

450 Gartenparzellen weniger, das ist tatsächlich viel, findet auch Christine Bräm, Chefin von Grün Stadt Zürich. Ganz verschwinden würden solche Grünflächen aber nicht: «Wir möchten diesen Grünräumen Sorge tragen, weil sie für die Erholung oder den sozialen Austausch wichtig sind.» So werden etwa die Schrebergärten auf dem Vulkanareal in Altstetten ersetzt. Nur erhalten die Pächter dort nicht wie gewohnt eine eigene Parzelle, sondern sollen das Land gemeinschaftlich bewirtschaften.

Man reagiere damit primär auf die veränderten Bedürfnisse der Hobby-Gärtner, sagt Christine Bräm: «Es gibt auch Leute, die lieber zusammen mit Gleichgesinnten ein Stück Land bearbeiten möchten.» Aber es sei auch klar, dass solche Gemeinschaftsgärten für viele eine Umstellung bedeuteten.

Seit 30 Jahren Gemüse aus dem eigenen Garten

Heinz Nauer, seit 30 Jahren Pächter einer Parzelle im Familiengartenareal Grubenacker in Leutschenbach, zeigt sich offen für neue Modelle: «Es muss nicht jeder sein eigenes Häuschen haben, wichtig ist, dass wir Ersatz erhalten!» Zusammen mit den 140 anderen Pächtern des Familiengartenvereins sucht der frisch pensionierte Nauer nach Alternativen. Keine einfache Aufgabe. Die Stadt könne ihnen nichts anbieten, stellt er ernüchtert fest.

Sein Gartenreich soll in fünf bis acht Jahren einer städtischen Siedlung mit preisgünstigen Wohnungen weichen. Die Pächter wussten, dass es eines Tages mal so kommen könnte: Das Grubenacker ist Bauland in städtischem Besitz. Nun, wo das Ende der kleinen Gartenparadiese naht, sagt Heinz Nauer schlicht: «Es ist schade.» Noch gibt er aber die Hoffnung nicht auf, dass sich eine Ersatzfläche finden lässt - und er auch in Zukunft im Supermarkt vor allem Fleisch, Eier und Milch, aber kein Gemüse, kaufen muss.

(simd; Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)