Weniger Puff mit Sexarbeit in der Stadt Zürich

Die Sexboxen in Zürich Altstetten erzielen die gewünschte Wirkung. Für die Prostituierten ist die Arbeit sicherer geworden und die Bevölkerung hat wieder Ruhe. Nur die Umsetzung der neuen Bewilligungspraxis für Sexsalons im Langstrassenquartier ist eine Knacknuss.

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Kein «Puff» in den Sexboxen

2:31 min, aus Schweiz aktuell vom 1.4.2014

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Stadt Zürich lobt «Sexboxen»

1:26 min, aus Tagesschau am Mittag vom 1.4.2014

Der neue Strichplatz in Zürich Altstetten mit seinen Sexboxen hat die Erwartungen der Stadt Zürich erfüllt. Die Quartierbevölkerung wird nicht mehr gestört, die Prostituierten könnten in einem geschützteren Rahmen anschaffen und schätzten die höhere Sicherheit. Diese Bilanz haben die Verantwortlichen am Morgen gezogen. Als grössten Erfolg bezeichneten sie die Tatsache, dass «die unhaltbaren Zustände am Strassenstrich vom Sihlquai» definitiv Geschichte sind.

«  Einen Mindestlohn gibt's in der Prostitution halt auch nicht.  »

Martin Waser
Sozialvorsteher Stadt Zürich (SP)

Die Kehrseite des Erfolgs: Im Schnitt arbeiten noch 15 Frauen auf dem Strichplatz, halb soviele wie zuvor am Sihlquai. Und sie beklagen sich über tiefere Einnahmen. Für den zuständigen Stadtrat Martin Waser (SP) ist dies aber hinnehmbar. Entscheidend sei, das der Strichplatz genug Betrieb hat, um zu funktionieren.

Kleine Salons sollen nicht ganz aus der Langstrasse verschwinden

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Richard Wolff: «Die Situation hat sich insgesamt klar verbessert»

0:24 min, vom 1.4.2014

Bei der Bewilligung von Sexsalons geht der Stadtrat aber wahrscheinlich nochmals über die Bücher. Bis Ende Jahr mussten alle Salons bei der Stadt eine Bewilligung einholen. Die meisten Gesuche werden noch geprüft. Als Hürde hat sich dabei eine Bestimmung aus der Bau- und Zonenordnung (BZO) herausgestellt, welche kleine Sexsalons in Quartieren mit einem Wohnanteil von mindestens 50 Prozent grundsätzlich verbieten. Dazu gehört auch das Langstrassenquartier.

Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) kündigte an, hier nochmals Korrekturen vorzunehmen. «Die Problematik der Kleinstsalons ist tatsächlich noch nicht ganz gelöst», gibt Wolff im Interview mit dem «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» zu. Ob der Stadtrat nun den einschränkenden Passus in der BZO ganz streicht, lässt er aber noch offen. Diese radikale Forderung von Frauenorganisationen berge nämlich die Gefahr, dass sich das Sexgewerbe auch in Quartieren ausbreite, die bisher nicht davon betroffen seien.

Menschenhandel besser erkennen

Die Stadt Zürich vermerkt auch grössere Erfolge beim Schutz der Prostituierten vor Ausbeutung und Gewalt. Im Jahr 2013 habe die Polizei 31 Verfahren wegen Menschenhandel eingeleitet, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Über ein Drittel der neuen Fälle seien dank Informationen der städtischen Beratungsstelle Flora Dora erkannt worden.