Wenn der Plattenbau unter Schutz gestellt wird

Die Stadt Zürich hat die «Quintessenz» der Baukultur der 1960er und 1970er zusammengetragen. 81 Bauten und 76 Gärten stehen auf der Inventar-Liste der Denkmalpflege - vom Krematorium übers Hotel bis zum Einkaufszentrum. Sie stehen für den Bauboom und den Beginn der Konsumgesellschaft

Vier Jahre lang haben die Fachleute des Zürcher Denkmalpflege die Stadt durchforstet, haben 260 Gebäude gesichtet und in den Archiven und in Archiven über sie geforscht.

Nun haben sie sich für 81 Bauten entschieden, welche ins Inventar der Denkmalpflege aufgenommen werden, zum Beispiel das «Swissôtel» in Zürich Oerlikon, das Globus-Einkaufszentrum bei der Bahnhofstrasse oder die Wohnsiedlung Unteraffoltern II, welche ein Schüler von Le Corbusier entworfen hat.

Beton ist das dominierende Merkmal dieser Gebäude aus den 1960er bis 1980er. Gebaut wurden sie häufig als Plattenbauten aus grossen, vorgefertigten Teilen. Die Gebäude seien «Zeugen für die Umwandlung der Innenstadt zum Einkaufszentrum, für die Verdichtung des Wohnraumes und die neuen Möglichkeiten der industriellen Vorfertigung», schreibt die Stadt.

Zeichen der Hochkonjunktur

In der Innenstadt entstanden die ersten Grossraumbüros, in den Wohnungen wurde der Tages- und Nachtbereich vermehrt getrennt und in den Küchen standen Kühlschränke - und zwar so oft wie sonst nirgends in Europa. Und so stehen die Gebäude für den Bauboom in der Zeit der Hochkonjunktur und die Entwicklung der Konsumgesellschaft.

Neben den Bauwerken hat die Stadt auch 76 Gärten ins Inventar aufgenommen, so etwa die Badeanlage am Katzensee oder die Schanzengraben-Promenade. Die Aufnahme eines Gebäudes ins Inventar bedeutet nicht, dass es
formell geschützt ist, sondern dass es möglicherweise unter Schutz
gestellt wird. Ob und in welchem Umfang ein Inventarobjekt erhalten werden muss, entscheidet der Stadtrat.

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