«Wenn jemand an die Türe kommt: misstrauisch sein»

Wenn ältere Menschen Opfer von Vermögensdelikten werden, handelt es sich fast immer um Trickbetrug. Am meisten Beute machen Gauner mit der sogenannten Enkeltrick-Methode: Wildfremde Personen geben sich als Verwandte aus und luchsen den Seniorinnen und Senioren ihr Geld ab. Tendenz steigend.

Schweizweit weist die aktuelle Statistik 230 Fälle von Enkeltrickbetrug aus und es werden immer mehr. Verschiedene Faktoren führen dazu, dass die immergleiche Masche mehr denn je Früchte trägt: Es gibt immer mehr ältere Leute, das Vorgehen ist gewaltfrei und verspricht rasch grosse Beute.

Die Betrüger arbeiten zudem in Banden und seien gut organisiert, sagt Rolf Nägeli, Chef Prävention der Stadtpolizei Zürich: «In Telefonbüchern suchen sie zum Beispiel gezielt nach altmodischen Vornamen.» Glauben sie, eine erfolgversprechende Nummer gefunden zu haben, rufen sie an, geben sich als Enkel aus und kommen rasch auf eine angebliche finanzielle Notlage zu sprechen.

Mit einfachen Tricks die Gauner abwimmeln

Rolf Nägeli von der Stadtpolizei Zürich.

Bildlegende: Rolf Nägeli von der Stadtpolizei Zürich: «Prävention ist wichtig, aber schwierig.» SRF

Am meisten seien Frauen über 80 Jahren betroffen: «Häufig sind sie allein, wissen nicht mehr ganz genau, wie die verwandtschaftlichen Konstellationen sind und freuen sich über das unerhoffte Auftauchen eines Neffen.»

An Präventionsveranstaltungen gibt Nägeli immer die gleichen Tipps: «Wenn jemand an die Türe kommt, misstrauisch sein. Nicht einfach die Türe aufmachen.» Ruft jemand an und will Geld, gilt dasselbe: «Keine Abmachungen über hohe Geldsummen am Telefon treffen, sondern eine Nummer verlangen, unter der man zurückrufen kann.» Dies reiche in den meisten Fällen bereits aus, um von den Gaunern nie mehr behelligt zu werden.

Täter können nur schwer verurteilt werden

Für die Polizei sei es schwierig, die potenziellen Opfer zu erreichen, sagt Nägeli weiter. Zwar organisiert sie regelmässig Stand-Aktionen oder Vorträge, für eine grössere Kampagne fehlt jedoch das Geld.

Am Präventionsforum der Universität Zürich diskutierten am Montag verschiedene Fachleute über Kriminalität und ältere Menschen als Opfer. Eine Massnahme, die  der bekannte Straftrechtsprofessor Christian Schwarzenegger anstrebt, ist eine Anpassung des Strafrechts. Heute gelten relative hohe Hürden, um die Täter zu belangen. Auch wenn Täter bei der Geldübergabe gefasst würden, sei es oftmals schwierig, sie zu verurteilen - weil es sich rechtlich gesehen eben nur um den Versuch eines Betrugs handle.

Für die Zukunft sieht Rolf Nägeli keine rasche Verbesserung in Sachen Enkeltrickbetrug. Auch diejenigen, die heute erst 60 seien und gut informiert, könnten im Alter den Betrügern auf den Leim gehen.