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Zürich Schaffhausen «Wenn sich nichts ändert, gibt es immer wieder Krawalle»

Sieben verletzte Polizisten und Sachschäden in Millionenhöhe. Die Krawalle in Zürich am letzten Wochenende haben viele aufgeschreckt. Ethnologe Heinz Nigg beobachtet die linke Szene seit 30 Jahren. Er sagt: Die Bewegung radikalisiere sich. Und: Verhindern könne man Krawalle nur auf politischem Weg.

Legende: Audio Szene-Kenner Heinz Nigg im Interview (21.12.2014) abspielen.
15 min

Heinz Nigg war dabei, als Zürich in den 80er Jahren brannte. Als Jugendliche mehr Freiraum für alternative Kultur forderten. Er filmte die Bewegung und gilt seither als ihr Archivar. Seit dreissig Jahren beobachtet er die linke Szene in der Stadt Zürich.

«Die Krawalle vom Freitag machten mich wütend», sagt Heinz Nigg als «Regionaljournal»-Wochengast. Für ihn ist klar: Die gewalttätigen Vermummten seien nicht einfach Krawall-Touristen, sondern stammten aus der «Reclaim the Street»-Bewegung, welche zur Demonstration aufgerufen hat. «Rund 40 Leute aus dieser Bewegung haben am Freitag von Anfang an auf Gewalt gesetzt.»

Ein Laden mit eingeschlagener Fensterscheibe, die Türe mit Polizei-Absperrband versperrt.
Legende: Auch Szenekenner Heinz Nigg sagt: Die Gewaltbereitschaft hat eine neue Dimension angenommen. Keystone

Fehlende soziale Kontrolle

Der Grund für die Radikalisierung liegt laut Heinz Nigg in der Politik der Stadt. Freiräume gingen verloren, besetzte Areale wie das Labitzke würden geräumt. «Aus der Ohnmacht, dass die Bewegung keinen Erfolg hat und nicht wahrgenommen wird, bilden sich kleine Gruppen von militanten Anarchos.»

Um dies zu verhindern, brauche es Freiräume, wo die soziale Kontrolle funktioniere. Würden diese nicht geschafft, so müsse man in Zukunft mit weiteren Krawallen rechnen. Denn alleine mit Repression und mehr Mitteln für die Polizei seien Zerstörungen nicht zu verhindern.

(Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)

5 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Suter, Zürich
    Die Freiräume im AJZ haben dazu geführt, dass viele Jugendliche Drogen ausprobiert haben und hunderte sind bis spät in die 90er Jahre daran gestorben. Die Jugendlichen damals waren nicht in der Lage oder nicht willen zu einer sozialen Kontrolle. Wie will Nigg bei Jugendlichen die noch voll in der Pupertät stecken, eine wirklungsvolle und vor allem für die Jugendlichen und die Gesellschaft gesunde soziale Kontrolle etablieren?
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  • Kommentar von Bernd B., Basel
    Der Ethnologe ist also der Meinung, die Linksextremen sollen die Macht über Zürich haben, damit sie nicht mehr randalieren. Und die armen Studenten haben kein Geld zum Partymachen, trotzdem sind sie besser dran als Invalide, aber letztere gibt's in ihrer Welt nicht.
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  • Kommentar von M. Haener, Büsserach
    Die Worte Systemfehler und soziale Gerechtigkeit fehlen unter anderem, in dieser doch sehr knapp gehaltenen Analyse. Oder habe ich da etwas verpasst..?
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    1. Antwort von sven dorca, luxemburg
      Das Soziale Umfeld stimmt schon lange nicht mehr.Die Lücke Reichtum u. Armut ist zu gros.Man müsste Finanzhaie den Hahn abdrehen u. Staatliche Förderungspogramme fördern, um Überverschuldeten Menschen eine Perspektive zu geben, sowie man es in den Achzigern in England ( Hooligans) gemacht hat. Aber wenn man nichts unternimmt wird der Frust immer grösser. dann bleibt halt nur die Strasse.
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    2. Antwort von fritz mustet, zurich
      Genau richtig! Die meisten sozialen Probleme haben im System den Ursprung und von da kommt auch die Wut welche sich in krawallen enthält.
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