«Wenn sich nichts ändert, gibt es immer wieder Krawalle»

Sieben verletzte Polizisten und Sachschäden in Millionenhöhe. Die Krawalle in Zürich am letzten Wochenende haben viele aufgeschreckt. Ethnologe Heinz Nigg beobachtet die linke Szene seit 30 Jahren. Er sagt: Die Bewegung radikalisiere sich. Und: Verhindern könne man Krawalle nur auf politischem Weg.

Heinz Nigg war dabei, als Zürich in den 80er Jahren brannte. Als Jugendliche mehr Freiraum für alternative Kultur forderten. Er filmte die Bewegung und gilt seither als ihr Archivar. Seit dreissig Jahren beobachtet er die linke Szene in der Stadt Zürich.

«Die Krawalle vom Freitag machten mich wütend», sagt Heinz Nigg als «Regionaljournal»-Wochengast. Für ihn ist klar: Die gewalttätigen Vermummten seien nicht einfach Krawall-Touristen, sondern stammten aus der «Reclaim the Street»-Bewegung, welche zur Demonstration aufgerufen hat. «Rund 40 Leute aus dieser Bewegung haben am Freitag von Anfang an auf Gewalt gesetzt.»

Ein Laden mit eingeschlagener Fensterscheibe, die Türe mit Polizei-Absperrband versperrt.

Bildlegende: Auch Szenekenner Heinz Nigg sagt: Die Gewaltbereitschaft hat eine neue Dimension angenommen. Keystone

Fehlende soziale Kontrolle

Der Grund für die Radikalisierung liegt laut Heinz Nigg in der Politik der Stadt. Freiräume gingen verloren, besetzte Areale wie das Labitzke würden geräumt. «Aus der Ohnmacht, dass die Bewegung keinen Erfolg hat und nicht wahrgenommen wird, bilden sich kleine Gruppen von militanten Anarchos.»

Um dies zu verhindern, brauche es Freiräume, wo die soziale Kontrolle funktioniere. Würden diese nicht geschafft, so müsse man in Zukunft mit weiteren Krawallen rechnen. Denn alleine mit Repression und mehr Mitteln für die Polizei seien Zerstörungen nicht zu verhindern.

(Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr)