Nein zu Spital-AGs Wie die Revolte des bürgerlichen Stimmvolkes zustande kam

Am Abstimmungssonntag rebellierte die Zürcher Stimmbevölkerung gegen Regierung und Parlament. Sie sagte Nein zur Verselbständigung der Spitäler – trotz Ja von Regierungsrat und Kantonsrat. Ungewöhnlich, denn normalerweise haben bürgerliche Anliegen an der Urne keine Schwierigkeiten.

Eine Karte - die Gemeinden in der Nähe von Winterthur sind rot, diejenigen weiter weg grün

Bildlegende: Die Karte zeigt es deutlich: Wer in der Nähe der Spitäler wohnte, stimmte Nein. Statistik des Kantons Zürich

Es war eine Schlappe für den Zürcher Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger. Trotz klarem Ja des Kantonsparlaments erteilte die Zürcher Stimmbevölkerung der Verselbständigung der Spitäler eine Abfuhr.

Eine der Erklärungen des unterlegenen Regierungsrates Thomas Heiniger: Diejenigen Zürcher, die keine Erfahrungen mit Spital-AGs hätten, hätten den Ausschlag gegeben.

So einfach war es aber nicht: Wetzikon und Bülach kennen selbständige Spitäler, haben die Spital-AGs in Winterthur aber abgelehnt. Männedorf hingegen, wo es ebenfalls eine Klinik als AG gibt, sagte Ja.

«  Ich habe selten eine Abstimmung gesehen, bei der der regionale Aspekt derart entscheidend war. »

Peter Moser
Oberster Statistiker des Kantons Zürich

Ausschlaggebend war also nicht die Erfahrung mit selbständigen Spitälern, sondern die Betroffenheit.

Eine Grafik mit vielen bunten Punkten.

Bildlegende: Alle Winterthurer Gemeinden auf einem Haufen unten links. In der Stadt stimmten gar weniger als 30 Prozent Ja. Statistik Kanton Zürich

Kantonsstatistiker Peter Moser spricht von einer ungewöhnlichen Abstimmung. Nur bei Urnengängen zum Flughafen spiele die Region eine ähnlich grosse Rolle. Das heisst: Die Winterthurerinnen und Winterthurer trauten der Verselbständigung nicht. Gemeinsam mit der linken Stadt Zürich schafften sie es, im bürgerlichen Kanton Zürich eine bürgerliche Abstimmung zu bodigen.