Wie Winterthur seine Sozialquote senken könnte

Die Stadt Winterthur hat einen externen Bericht in Auftrag gegeben, der Wege aus der Sozialhilfe-Schieflage aufzeigen soll. Allerdings sind die Empfehlungen nicht ganz neu. Und stossen bei den Parteien auf unterschiedliche Resonanz.

Interieur einer Luxuswohnung

Bildlegende: Edle Wohnungen sollen gute Steuerzahler nach Winterthur locken. Keystone

Die Fachleute des Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien BASS sind zum Schluss gekommen, dass die Stadt Winterthur Wohnangebote für mittlere und höhere Einkommensklassen stärker fördern muss. Mit einer Veränderung der Bevölkerungszusammensetzung könnten mehr Steuern eingenommen werden. Das eröffne wiederum mehr Spielraum für die Sozialhilfe.

Es ist eine von drei Empfehlungen, die der Bericht enthält. Daneben listet er einen alten Vorschlag auf: Die Soziallasten sollen innerhalb des Kantons besser aufgeteilt werden. Also die Städte, in denen mehr Sozialhilfebezüger leben, mehr Unterstützung von den ländlichen Gemeinden erhalten.

Und als dritte Massnahme empfiehlt der externe Bericht, dass Winterthur mehr Sozialarbeiterinnen und -arbeiter einstellt. Bei ihrer Studie kam nämlich heraus, dass in Winterthur ein Sozialarbeiter im Schnitt 120 Dossiers betreue. In denjenigen Gemeinden, die ihre Sozialhilfeausgaben in den letzten Jahren haben senken können, liege der Wert bei 80 Fällen pro Sozialarbeiter.

Diese Investition könne sich also durchaus lohnen, sagt auch der Vorsteher des Winterthurer Sozialdepartements, Nicolas Galladé: «Manchmal muss man kurzfristig investieren, um langfristig zu sparen.»

Galladé prüft jetzt gemeinsam mit dem Gesamtstadtrat, welche Empfehlung wie umgesetzt werden kann.

Der Zwist geht weiter

Die Reaktionen der Parteien fallen sehr unterschiedlich aus. Während die Grünliberalen - die diesen Bericht in einem Postulat von 2014 forderten - von einer «guten Auslegeordnung» spricht, hält die SVP gar nichts von der Studie.

Der Winterthurer SVP-Parteipräsident Simon Büchi: «Durch die Studie zieht sich durch den Tenor, im Sozialdepartement lauf alles gut. Das entspricht nicht unserer Wahrnehmung.»

Büchi spricht von einem Gefälligkeitsgutachten für das Sozialdepartement. Die Grünen wiederum halten die «teure Studie» ebenfalls für wenig sinnvoll, da sie einzig aufzeige, dass es keine simplen Massnahmen zur Reduktion der Sozialkosten gebe.