«Wir konnten nicht mehr zuhause bleiben»

Die vielen Menschen auf der Flucht lösen auch in der Region Zürich grosse Betroffenheit und Wellen der Solidarität aus. Für einige ist es mit Spenden indes nicht getan: Sie sammeln Medikamente und Socken und reisen gleich selbst nach Ungarn oder Slowenien, um den Flüchtlingen vor Ort beizustehen.

Flüchtlingscamp an der Grenze Ungarn-Slowakei.

Bildlegende: Die Flüchtlinge haben oft alles zurückgelassen. Kleider oder Medikamente sind hoch willkommen. Fabian Heinzmann

Die grösste Flüchtlingsbewegung seit dem 2. Weltkrieg mobilisiert: Fabian Heinzmann, selbständiger Fotograf, fuhr im September mit seiner Partnerin Johanna kurzentschlossen nach Ungarn um zu helfen.

Facebook als Drehscheibe

Bald merkten sie, dass der gute Wille allein nichts nützt, wenn nicht klar ist, wo und wie geholfen werden kann. «Es war ein Schwimmen», erzählt Heinzmann. Mittlerweile seien aber alle so gut vernetzt, dass viel mehr ausgerichtet werden könne. Die Vernetzung sei das A und O, bestätigt auch seine Partnerin. «Es geht nicht darum sich selber zu profilieren und auf eigene Faust loszuziehen, man muss sich mit anderen, auch Hilfswerken, zusammentun.» Die Vernetzung erfolgt vor allem über Facebook. Um die Hilfe besser zu organisieren, gründeten sie den Verein «Kinder auf der Flucht».

Bananenschachteln voller Gratis-Medikamente

Der Wunsch zum Helfen sei gross, erzählt Heinzmann weiter: «Ärzte spenden kistenweise Medikamente, wildfremde Menschen reisen von Paris nach Zürich um mit uns mitzufahren – und alles funktioniert super.»

Ein Flüchtlingskind spielt mit einem Ball

Bildlegende: Der Verein «Kinder auf Flucht» kümmert sich um die kleinsten, verletzlichsten und schutzbedürftigsten Flüchtlinge. Fabian Heinzmann

Die grossen Hilfswerke ersetze man damit natürlich nicht, aber als Ergänzung seien auch private Initiativen dringend nötig.

Nicht der Heiland – aber doch nützlich

Ähnlich sieht dies Michela Widmer. Die gebürtige Schaffhauserin wohnt schon seit Längerem in Zürich. Und auch sie ist nach Ungarn gereist um zu helfen. Und danach ein zweites Mal, nach Slowenien. Wichtig sei, dass man sich in die Struktur vor Ort einordne, so Widmer: «Man kann nicht dort ankommen mit dem Gefühl, man sei der Heiland, der alle rette.»

Trotzdem ist auch Michela Widmer überzeugt, dass sie mehr bewirke als einen Tropfen auf den heissen Stein. Daher hat auch sie einen Verein gegründet. Lifeline möchte dort Unterstützung bieten, wo die grossen Hilfsorganisationen noch nicht vor Ort sind. Sie plant zu diesem Zweck auch bereits die nächste Tour – diesmal geht es nach Griechenland.