Zürcher Gemeinderat möchte Morgenschwimmen ausdehnen

Gegen den Willen des Stadtrats hat das Zürcher Parlament, der Gemeinderat, einen Vorstoss überwiesen, das eines der Flussbäder am Letten schon für Frühschwimmer öffnen will. Dies hätte jährliche Kosten von 65'000 Franken zur Folge, warnte der Sportvorsteher. Vergeblich.

Ein Bademeister des Zürcher Sportamts blickt auf ein verlassenes Flussbad am Letten.

Bildlegende: Die Anwesenheit eines Bademeisters wäre Pflicht, egal, wie viele Gäste kommen. Keystone

Der Appell des Zürcher Sportvorstehers Gerold Lauber (CVP) verhallte praktisch ungehört. Er machte in der Ratsdebatte vom Mittwochabend auf die schwierige finanzielle Lage der Stadt aufmerksam und forderte inständig dazu auf: «Wir sollten unser Angebot nicht ohne grosse Not noch ausdehnen.»

Vom Quartier, fürs Quartier

Für Frühschwimmer gebe es schon Angebote in der Stadt. Für die Quartierbevölkerung beim Letten wären etwa das Hallenbad City, das bereits um 6 Uhr öffnet, oder das Freibad Letzigraben, das ab 7 Uhr Gäste empfängt, in maximal zehn Minuten erreichbar.

Die Postulanten betonten, dass es sich bei ihrem Vorstoss um ein Anliegen aus dem Quartier handelt und «es stammt aus einer Bevölkerungsschicht, das Steuern zahlt und auch wieder etwas von diesen Steuern haben möchte», führte Andrea Nüssli (SP) aus. Das Geld für die frühere Öffnung, die 65'000 Franken, sollte man sich ja noch leisten können, fügte Marcel Bührig (Grüne) an.

SVP, FDP und GLP dagegen

Bürgerliche und Grünliberale zweifelten das Verhältnis von Kosten und Nutzen an. Schliesslich habe bereits heute jeder die Möglichkeit, zu jeder beliebigen Zeit in der Limmat schwimmen zu gehen. Guido Hüni (GLP): «Wir sind aber gerne bereit die Postulanten zu unterstützen und ihnen einen Plastiksack mitzugeben, damit sie ihre Wertgegenstände während dem Schwumm mitnehmen und danach wieder trockene Kleider anziehen können.»

Obwohl der Vorstoss als Postulat für den Stadtrat nicht bindend ist, kündigte Gerold Lauber schon während der Debatte an, das Anliegen umzusetzen. Er habe keine andere Wahl, da das Anliegen von seinem Departement bereits geprüft worden sei. Die zusätzlichen Betriebskosten von 65'000 Franken dürften demnach im Budget für das kommende Jahr eingestellt werden. Es ist dann wieder am Gemeinderat, den Betrag auch tatsächlich zu sprechen.