Zürcher Sozialdetektive als Exportschlager

Die Zürcher Sozialdetektive sind begehrt: Die Inspektoren, die Sozialhilfe-Missbräuche aufdecken, sind immer häufiger auch ausserhalb der Stadt unterwegs. 22 Gemeinden und ein Kanton vertrauen auf die Hilfe der Zürcher Inspektoren – und es werden immer mehr. Jetzt wird an dieser Praxis Kritik laut.

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Zürcher Sozialdetektive als Exportschlager

5:37 min, aus Schweiz aktuell vom 8.10.2013

Seit sechs Jahren ermitteln sie im Auftrag der Stadt Zürich: Sozialdetektive. Sie decken Missbräuche auf und überführen Sozialhilfebetrüger. Was erst nur als Pilotversuch eingeführt wurde, ist längst ein Erfolgsmodell: Wie «Schweiz aktuell» berichtet, haben 22 Gemeinden aus dem ganzen Kanton mit der Stadt Zürich einen Vertrag abgeschlossen und auch der Kanton Glarus. Bei einem Verdacht kommen in diesen Gemeinden die Detektive aus der Stadt zum Einsatz. «Wir waren überrascht, welchen Ansturm wir erlebt haben. Wenn wir wollten, könnten wir unsern Dienst expansiv für die halbe Deutschschweiz anbieten», sagt der Zürcher Sozialvorsteher Martin Waser (SP).

Vertrauen auf Stadt als Kompetenzzentrum

Eine Gemeinde, die seit drei Jahren mit Inspektoren aus Zürich arbeitet ist Thalwil. Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn die Sozialarbeiter der Gemeinden selbst bei einem Verdacht nicht mehr weiterkommen. Für die Gemeindepräsidentin Christine Burgener (CVP) ist die Lösung ideal: «Wir haben als relativ kleine Gmeinde nur wenige Verdachtsfälle. Da würde es sich niemals lohnen, selbst einen Sozialdetektiv anzustellen», sagt sie zu «Schweiz aktuell». Auf die Stadt Zürich setze die Gemeinde, weil es dort viele Fälle gebe und deshalb ein grosses Knowhow.

Konkurrenz für Private

In Thalwil arbeitete man vor dem Vertrag mit Zürich mit der privaten Firma «Sowatch» mit Sitz in Aarau zusammen. Diese bietet Gemeinden Schulung und Beratung an – aber auch die Überwachung von Verdächtigen. Dass jetzt städtische Inspektoren auch in vielen andern Gemeinden ihre Dienste anbieten, sei für ihn schwierig, sagt «Sowatch»-Geschäftsführer Ulrich Bohren gegenüber «Schweiz aktuell». Er habe in den letzten Jahren in der Region Zürich drei Gemeinden als Kunden verloren. «Es stört mich, dass die hoch subventionierte Stadt Zürich Private konkurrenziert», sagt der Sozialarbeiter und Jurist Bohren.

Der Zürcher Sozialvorsteher Martin Waser kontert:«Die Gemeinden sind frei in der Entscheidung, ob sie zu uns wechseln wollen oder nicht», sagt er. Zudem arbeite man kostenddeckend und nicht etwa subventioniert – von daher sei man fair.

Kritik auch von der FDP

Auch die städtische FDP hat gar keine Freude am «Expansionskurs» der Zürcher Sozialdetektive: Man begrüsse zwar, dass es diese Sozialdetektive gebe, sagt FDP-Präsident Michael Baumer. «Es stört mich aber, dass die Stadt zum Dienstleister für die ganze Region und sogar andere Kantone wird». Es bestehe die Gefahr, dass der Verwaltungsapparat unnötig aufgeblasen werde. Sozialvorsteher Martin Waser (SP) weist diese Kritik zurück: «Wir haben nun mal einfach die Professionalität und das Angebot, das andere, kleinere Gemeinden nicht haben.» Man dürfe das nicht so ideologisch sehen und nie über die Stadtgrenzen hinausschauen: „Kooperation macht Sinn und nutzt einfach allen».

40 Gemeinden haben noch Interesse

Die Diskussion, wie weit die Zürcher Sozialdetektive expandieren, dürfte sich in Zukunft eher noch verschärfen. 40 weitere Gemeinden haben Interesse bekundet und möchten ebenfalls auf die Dienste der Zürcher Sozialdetektive zurückgreifen. Aus Kapazitätsgründen sei das aber im Moment nicht möglich, so Waser. Man diskutiere im Moment, wie man mit diesem Ansturm umgehen wolle, auch die Schaffung weiterer Stellen sei nicht ausgeschlossen. Für den Fall, dass ein Stellenausbau wirklich Thema werde sollte, hat die FDP bereits Widerstand angekündigt.