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Zürich Schaffhausen Zugunglück Neuhausen: Sicherungstechnik ist rund 70 Jahre alt

Experten des Bundes untersuchen derzeit, was zur Streifkollision bei Neuhausen geführt haben könnte. Auch die Sicherungstechnik wird untersucht. Das System stammt aus den 40er-Jahren - wie bei einem früheren SBB-Unfall.

Verunfallter Zug bei Neuhausen, Rettungshelfer.
Legende: Die Arbeiten an der Unfallstelle in Neuhausen dauerten den ganzen Tag. SRF

Sobald die 280 Passagiere aus den verunfallten Zügen bei Nehausen evakuiert waren, ging die Arbeit von Walter Kobelt los. Er leitet den Bereich «Bahn und Schiffe» bei der unabhängigen Unfalluntersuchungsstelle des Bundes (UUS). Seine Arbeit ist es, der Unfallursache auf den Grund zu gehen. Er und ein Kollege werten die Daten der Fahrtenschreiber in den Zügen aus, untersuchen die Zugwracks, die Weichen und das Stellwerk. Ausserdem will er so bald wie möglich die beiden Lokomotivführer zum Unfallhergang befragen.

Gemäss Kobelt ist bis jetzt klar, dass sich die beiden Züge im Bereich der Weichen beim Bahnhof kreuzten. Es sei deshalb denkbar, dass einer der beiden Züge zu früh oder zu spät unterwegs gewesen sei. Es käme aber auch ein Defekt an der Weiche in Frage. Dies könne er erst untersuchen, wenn die Züge geborgen seien.

Sicherungstechnik veraltet?

Auch die Sicherungstechnik könnte beim Unfall eine Rolle gespielt haben. Beim Bahnhof Neuhausen ist das System «Integra-Signum» installiert. Walter Kobelt bestätigt gegenüber dem «Regionaljournal»:

Dieses System stammt aus den 30er- oder 40er-Jahren.

Es verfüge nicht über ein automatisches Bremssystem, wie das bei moderneren Anlagen der Fall sei.

Ein ähnlich altes System war 2011 mitverantwortlich für ein Bahnunglück bei Döttingen (AG), bei dem 16 Personen verletzt wurden. Damals hatte die UUS den SBB empfohlen, «unverzüglich» ein «zeitgemässes Zugsicherungssystem» einzubauen.

Hat also veraltete Sicherungstechnik zum Unfall von Neuhausen geführt? Dies kann man laut Walter Kobelt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Seine Untersuchung könne mehrere Wochen oder Monate dauern. SBB-Sprecher Daniele Pallecchi betont auf Anfrage: «Alle Strecken der SBB entsprechen den aktuellen Vorschriften.»

3 Kommentare

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  • Kommentar von Ein Hinseher, Kleinbösingen
    Ob die aktuellen Vorschriften eingehalten werden oder nicht, ist für den Bahnbenützer schön zu vernehmen, aber in Bezug auf die verunfallten Passagiere irrelevant. Mir ist klar, dass nicht alle Strecken gleichzeitig aufgerüstet werden können (wer soll es bezahlen), doch habe ich den Verdacht, dass die Vorschriften dem technischen Stand der grössten Bahngesellschaft der Schweiz angepasst werden. So läuft Politik bei uns.
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  • Kommentar von Michel Klopfstein, 2504 Biel
    Am Dienstag fuhren wir von Bern nach Interlaken. Kurz nach Leissigen Stopte der Zug mittels der Notbremse bis zum Stillstand und fuhr kurz darauf wieder weiter ohne das wir etwas vernommen hätte. Die Serviertochter des Bistros sagte uns das sei bei Ihr am gleichen Tag schon mal passiert. Frage: Hat der Lokführer das Stopsignal überfahren und das Sicherheitssistem hat funktioniert? Nach meiner Einschätzung ist das Bahnfahren gar nicht so ungefährlich wie die SBB uns weis machen will.
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    1. Antwort von Samuel Röthlisberger, 4853 Murgenthal
      Wenn einer der Lokführer in Neuhausen ein rotes Signal überfahren hat, so stoppt der Zug automatisch. Allerdings muss er ja erst mal zum Stillstand kommen. Der Bremsweg reichte vielleicht einfach nicht. Beim neueren System rechnet ein Computer an Bord aus, wie weit es noch zum roten Signal ist und bremst wenn nötig schon vorher, so dass der Zug das Signal gar nicht erst überfährt. Bahnfahren ist schon sicher. Ich habe mehr Angst dass ich überfahren werde beim Überqueren eines Zebrastreife...
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