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100 Jahre SP Frauen Progressive Vorkämpferinnen

Die SP-Frauen-Partei wird 100 Jahre alt. Von den Bundesratsparteien findet nur die SVP eine Frauensektion überflüssig.

Legende: Video 100 Jahre SP Frauen abspielen. Laufzeit 2:47 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.11.2017.

Die SP hat kein Frauenproblem. Mindestens nicht im Bundeshaus. Die Fraktion der Sozialdemokraten wird zwar mit Roger Nordmann von einem Mann geführt. Trotzdem sind die Männer mit 27 zu 28 National- und Ständerätinnen knapp in der Minderheit. Die beiden Bundesratssitze werden von je einer Frau und einem Mann gehalten. 50 Prozent Frauenanteil in Bundesbern – für eine Bundesratspartei ein einsamer Spitzenwert.

Ein hoher Frauenanteil ist auch der bei SP nicht selbstverständlich.
Autor: Gabriela RothenfluhZentralsekretärin SP-Frauen

Die Schlussfolgerung, dass damit eine eigene SP-Frauensektion überflüssig ist, lassen die Verantwortlichen nicht gelten. «Eine Selbstverständlichkeit ist das auch bei uns nicht, wir müssen da immer dran bleiben», sagt Gabriela Rothenfluh, Generalsekretärin der SP-Frauen. Im Gemeinderat der Stadt Zürich, in dem sie selber sitzt, sei nur ein Drittel der SP-Fraktion in Frauenhand.

50 zu 50, die Nullen sind ersetzt durch die Symbol für Mann und Frau.
Legende: Ein ausgeglichener Frauen- und Männeranteil - für die SP-Frauen muss das das Ziel sein. SP-Frauen

Auf der Homepage listet die dienstälteste Frauenpartei lustvoll 100 Gründe auf, Link öffnet in einem neuen Fenster, warum es sie immer noch braucht. Zum Beispiel, weil «Frauen einen Anteil von 61,1 Prozent an der unbezahlten Arbeit leisten». Oder auch eher witzig gemeinte Gründe. Weil die Google-Suche «Christian Levrat und Feminismus» nicht wirklich zu Suchergebnissen führe. Oder «weil Tampons und Binden zu teuer sind».

FDP- und CVP-Frauen kämpfen für Bundesrätin

Vor vier Jahren feierten die FDP Frauen ihren 65. Geburtstag. Damals wurde darüber diskutiert aufzuhören. Doch die Idee wurde deutlich verworfen. In der FDP-Bundeshausfraktion sind die Frauen schwach vertreten. Sie besetzen acht von 46 Parlamentssitzen, weniger als 20 Prozent. Eine Bundesrätin stellt die Partei seit 1989 keine mehr.

«Angemessen ist das nicht», sagt FDP-Frauen-Präsidentin und Nationalrätin Doris Fiala. Frauen für ein Amt in der Politik zu ermutigen und zu helfen, sie dazu zu befähigen, sieht sie deshalb als eine ihrer wichtigsten Aufgaben.

Auch im Hinblick auf den nächsten Bundesratsrücktritt in den Reihen der FDP ist Fiala in den Startlöchern. «Ich werde mich für ein Ticket mit zwei Kandidatinnen einsetzen.» So will sie mithelfen, dass Johann Schneider-Ammann eine Nachfolgerin bekommt.

Ich sehe uns als eine Art Speerspitze für liberal-fortschrittliche Positionen.
Autor: Doris FialaPräsidentin FDP-Frauen

Dass es die FDP-Frauen gibt, ist nach Ansicht von Fiala auch inhaltlich nötig. «Ich sehe uns auch als eine Art Botschafterinnen und Speerspitze für liberal-fortschrittliche Positionen in der Gesellschaftspolitik», sagt Fiala. Dazu gehöre, dass Beruf und Familie noch besser vereinbar seien und sich die Leistung für Doppelverdiener lohnen müsse. Oder die Unterstützung der Forderung nach einer «Ehe für alle», also auch für schwule und lesbische Paare.

CVP-Frauen-Präsidentin Babette Sigg sieht ihre Gruppierung ebenfalls als progressiver im Vergleich zur ganzen Partei. «Frauen sind in vielen Alltagsfragen näher dran.» Die CVP-Frauen halfen einst, die harte Haltung der Partei gegenüber Schwangerschaftsabbruch und einer Fristenregelung aufzuweichen. Sigg nennt als weiteres Beispiel, wie die CVP-Frauen vor vier Jahren parteiintern erfolgreich gegen die Ja-Parole zur Familieninitiative der SVP kämpften. Die Initiative sah einen Steuerabzug für jene Familien vor, die ihre Kinder selbst betreuen.

SVP hat seit 2016 keine Frauensektion mehr

Mehr Frauen in politische Ämter zu bringen, das sieht Babette Sigg als Hauptziel der CVP-Frauen. Verglichen mit der FDP steht es um die Frauenvertretung in der CVP-Fraktion zwar etwas besser. Die neun National- und die zwei Ständerätinnen entsprechen einem Anteil von 28 Prozent. «Aber wir möchten das natürlich weiter verbessern.» Auch für die Nachfolge von Bundesrätin Doris Leuthard bereiten sich die CVP-Frauen bereits vor. «Wir legen grade die Strategie fest, wie wir die fähigen Frauen in unserer Partei zu einer Kandidatur motivieren können», sagt Sigg.

CVP-, FDP- und SP-Frauen

CVP-Frauen
seit 1975
rund 6000 Mitglieder
FDP-Frauenseit 1949
rund 6000 Mitglieder
SP-Frauenseit 1917
weibliche SP-Mitglieder sind automatisch dabei
SVP-Frauengibt es seit 2016 nicht mehr

Den kleinsten Frauenanteil bei den Bundesratsparteien in Bern hat übrigens die SVP. Die 12 Nationalrätinnen machen gut 17 Prozent aus, damit liegt die Partei knapp hinter der FDP. Eine eigene Frauensektion gibt es bei der SVP nicht mehr. Die letzte Präsidentin, Judith Übersax, meinte im Januar 2016, es sei besser, die Frauenanliegen direkt in die SVP einzubringen. «Die Diskussionen passieren so in der Gesamtpartei und nicht in einem separaten Gremium, wo die Frauen unter sich sind.» Organisierte SVP-Frauen gibt es seit 2016 nur noch in Westschweizer Sektionen.

Legende: Video Frauenorganisationen in Parteien vor dem Aus? abspielen. Laufzeit 1:55 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.01.2016.

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Wollten die militanten "Frauenrechtlerinnen" tatsächlich überall (in der Wirtschaft, in öffentlichen Amtsstellen und in der Politik) mindestens 50% Frauen einsetzen, müssten sie viele dazu zwingen (fast vergewaltigen!). Frauen haben zweifellos viele hervorragende Seiten, die wir Männer nicht haben! Diese Feststellung trifft aber auch auf die Männer zu! Wenn eine Frau CEO oder Politiker werden will, macht sie das, aber ohne Zwang durch linke Quoten-Reguliererinnen!
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  • Kommentar von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
    Frauen können wählen und gewählt werden, ausserdem sind sie schweizweit und in den meisten Kantonen eine Mehrheit. Also könnten Frauen aus eigener Kraft eine Mehrheit in der Politik stellen, wenn sie denn wollten. Wieso sollte es also Quoten geben? Man muss davon ausgehen, dass Frauen sich auch durch Männer adäquat repräsentiert fühlen können und weniger oft als Männer Lust haben selbst in die Politik zu gehen.
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  • Kommentar von Marlies Artho (marlies artho)
    Wird heute die Qualifikation an den Quoten gemessen der Frauen, oder doch eher an eine gewisse Kompetenz und Bildung die es dazu braucht.Auf jeden fall wäre ich als Frau beleidigt,wenn man mich nur noch an den Quoten misst und nicht an der Qualität. Einerseits setzen sich die Frauen, für die rechte der Frauen ein, jedoch sind sie nicht bereit Hand zu bieten, wenn eine Initiative ansteht, des radikalen Islams,wo z.T. Frauen unterdrückt werden. Dies ist doch ein gewaltiger Widerspruch,der Frauen.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Quote heisst nicht, dass man irgend ein unfähiges Huscheli einstellt. Quote heisst, dass man bei gleicher Qualifikation der Bewerber für eine Stelle die Frau bevorzugt bis ein gewisser Anteil der Stellen (zB 1/3) mit Frauen besetzt ist. Damit steigt die Qualität sogar, weil man dann nicht einfach den Filius des Chefs anstellen kann, sondern Qualitätskriterien bei der Anstellung zum Zug kommen.
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    2. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      H.P.M. ich habe nichts von Huscheli geschrieben,so entwürdigend beurteile ich keine Person.Wie man sieht wollen ja die Frauen Gleichberechtigung,da spielt es doch keine Rolle,ob nun Mann oder Frau die Qualität herbei führen kann.Hauptsache die Fach- und Sachkompetenz stimmt.Es gibt Frauen,die eine hohe Kaderstelle haben, die auch nicht für Quoten sind,denn sie haben ein Selbstbewusstsein und beweisen ihre Qualität mit viel Engagement und hoher Präsenz Interessen erkämpfen sich so den Erfolg.
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    3. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      @HP: Frauenquoten führen unweigerlich auch – natürlich nicht nur, aber eben auch – zu Quotenfrauen. Wieso sollten Frauen die sich etwas erarbeitet haben oder dies noch zu tun gedenken so etwas gut finden?
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    4. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ Fuchs: "Quotenfrau" ist ein reaktionärer Begriff von Dinosauriern, so wie auch die Behauptung "die hat ja den Job nur weil sie mit dem Chef geschlafen hat". Frauen in Führungspositionen haben längst mit solchen Herabsetzungen gelernt zu leben und wissen was sie können trotz der Kommentare, sonst wären sie gar nicht so weit gekommen.
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    5. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Frau Artho, es ist richtig, dass es keine Rolle spielen sollte. Leider ist die Realität weit vom Wunsch entfernt. Wenn ich schaue, was Frauen alltag für Leistungen bringen und wie wenige es trotzdem in die Führungsetage schaffen scheint Leistung alleine nicht zu genügen. Es gibt genügend Studien, die die gläserne Decke und andere Faktoren der Diskriminierung hinlänglich beweisen.
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    6. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      @HP: Selbstverständlich sind die meisten Frauen zu recht dort wo sie sind. Aber mit einer Fauenquote kann man sich dessen dann eben nicht mehr so sicher sein … deswegen bin ich auch gegen Quoten, weil ich eben keine Quotenfrauen will… auch wenn Ihnen der Begriff nicht gefällt.
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    7. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ Fuchs: Ich mag den Begriff "Quotenfrau" eigentlich ganz gut. Er sagt nichts über die Frau aus und wie sie Ihren Job bekommen hat, aber ganz viel über denjenigen, den der Begriff verwendet. Typischerweise kommt der Begriff von jenem Mann, der den Job auch gerne gehabt hätte. Eifersucht vergällt nur jenem das Leben, der sie hat.
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    8. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      @HP: LOL und was sagt es dann genau über Sie aus, wenn Sie wie unten den Begriff Quotenschweizer verwenden? Mein lassen Sie mich raten … Das ist dann natürlich etwas gaaanz anderes ;)
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