Zum Inhalt springen

Schweiz 11 Millionen Einwohner können eine Chance für die Schweiz sein

8'013'996 Einwohner teilen sich am Ende des 3. Quartals die kleine Schweiz. Hält das Wachstum an, werden es bis in 50 Jahren nahezu 11 Millionen sein. Das muss nicht nur ein Alptraum werden. Allerdings warten einige Knacknüsse auf uns.

Eine Menschenmasse durch ein Fischaugen-Objektiv fotografiert.
Legende: Vor allem der Platzbedarf und die Beweglichkeit werden die Herausforderungen der Zukunft sein. keystone

Irgendwann im September ist es soweit gewesen: der 8. Millionste Bewohner der Schweiz erblickte das Licht der Welt. Einer soliden Welt, versteht sich. Mit intakten sozialen, ökonomischen und ökologischen Strukturen. Seither sind noch einmal rund 13'000 dazu gekommen.

Wir müssen unsere Selbstwahrnehmung korrigieren

Geht die Entwicklung so weiter, werden es bis in 50 Jahren zehn bis elf Millionen Einwohner sein. Um dieses Wachstum aufzufangen und die Lebensqualität aufrecht zu erhalten, müssen Anstrengungen unternommen werden. Sozialpolitische, strukturelle, verkehrspolitische und nicht zuletzt ökologische Massnahmen.

Ob wir allerdings mental bereit sind, eine so grosse Gemeinschaft zu werden, bezweifelt zumindest der Bevölkerungssoziologe François Höpfliger. Ein Problem sieht Höpfliger im Graben zwischen unserer Selbstwahrnehmung und der Realität. «Wir sehen uns als ländliche Gesellschaft, das heisst, wir haben einen nostalgischen Rückblick auf eine Schweiz, die es gar nie gab und gleichzeitig haben wir Mühe mit Urbanität», sagt Höpfliger in der «Tagesschau».

Damit der Soziale Friede dem Wachstum standhält, müssen wir vor allem unseren gemeinsamen Raum sinnvoll strukturieren. Nur wenn es uns laut Höpfliger gelingt, mit einer «gezielten Strategie der Durchmischung» die Bildung von einkommensabhängigen Gettos zu verhindern, können 11 Millionen Menschen in der Schweiz gut zusammenleben.

Für ebenso wichtig hält Höpfliger aber die Disziplin. Wir benötigten eine Struktur, die mit Unterschieden umgehen könne, sagt der Soziologe. Und dies bedinge, dass wir lernen würden unsere Aggressionen im Zaum zu halten. Überdies müsse aber auch in der Wohnungspolitik auf das Wachstum reagiert werden.

«Denkbare Modelle kommen zurzeit in Singapur und London zur Anwendung. Reiche und weniger begüterte teilen sich die gleichen Quartiere. Und sie lernen sich bei öffentlichen Mittagstischen und Quartierveranstaltungen gegenseitig kennen», erklärt Höpfliger.

Wachstum kann eine Chance sein

Gar als Chance gewertet wird die Aussicht auf 11 Millionen Einwohner vom Zukunftsforscher Georges T. Roos. Da die jetzigen Wachstumszentren bald an ihre Grenzen stossen würden, könnten die heute mittelgrossen Städte die neuen attraktiven Zuwanderungsorte werden.

«Damit wächst aber auch das Bildungspotential, die Kreativität und die Innovation in diesen Gebieten und das kann sich auch auf die Arbeitsplätze auswirken», sagt Roos. Die Chance steigt, dass die Notwendigkeit des Pendelns massiv kleiner wird.

Standort-Attraktivität bleibt zentral

Das gegenwärtige Wachstum macht das Eintreffen dieser Herausforderungen plausibel. Dabei haben sich die Wachstums-Tendenzen der vergangenen Jahre kaum geändert. Hohe Zuwachsraten in den Steueroasen Zug und Schwyz sowie in der Genfersee-Region.

Einzig im Kanton Basel-Stadt wies das Bevölkerungswachstum über die letzten 20 Jahren ein Minuswachstum auf. Über die Grossregionen und einen längeren Zeitraum betrachtet, gewärtigen die Demographen allerdings eine mehr oder weniger gleichmässige Entwicklung.

Legende:
Bevölkerungs-Entwicklung 1992-2011: Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung (Personen) in den Jahren 1992 bis 2011 nach Grossregionen. Bundesamt für Statistik

In wie weit die gegenwärtige Entwicklung tatsächlich die nächsten 50 Jahre anhält, hängt gemäss François Höpfliger von verschiedenen Faktoren ab. Nicht zuletzt ginge es darum, welche politischen Entscheidungen wir in Zukunft treffen. Und ob diese weiterhin dafür sorgen würden, dass die Schweiz ein attraktives Einwanderungsland bleibt. Die Mechanismen dabei sind für Höpfliger klar: «Unattraktiv sind erfahrungsgemäss Länder, deren Bevölkerungswachstum rückläufig ist.»

30 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von A. Planta, Chur
    11 Millionen Einwohner können eine Chance für die Schweiz sein: Ja, für die Immobilienbesitzer, Geschäfte und Banken.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hermann Rost, Berlin
    Keine Sorge liebe Schweizer. Kommt mal nach Berlin, da wird man pro Meter 10 Mal angefasst, so eng ist es bei uns. Als ich das letzte Mal in der Schweiz war, dachte ich das Land wäre ausgestorben, so viel Platz hatte ich. Eine richtige Wohltat zum Ghetto Berlin.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Roland Schmutz, Midlothian, VA
      Doch, lieber Hermann Rost, das sollte uns Sorge bereiten, weil nämlich auch gar nichts besser wird mit steigender Bevölkerungsdichte. Interessant ist, dass immer wieder solche Extrembeispiele genannt werden. Sorgt Euch nicht, es ist ja noch lange nicht so wie in Hong Kong oder Singapur oder eben Berlin. Ich wünsche mir für die Schweiz diese Zustände nicht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Roland Schmutz, Midlothian VA
    Und bei 11 Millionen ist dann schluss? Sind dann all die Probleme gelöst die wir heute mit Bevölkerungswachstum zu lösen versuchen? Wenn dem so wäre, dann sollte das heute schon möglich sein. Wenn dem nicht so ist, dann müssten wir heute beginnen zu bremsen. Übrigens, bei heutigem Wachstum sind die 11 Millionen schon in 35 Jahren errreicht. Woher kommt bloss das Verlangen der Menschen, sich in immer grösseren Mengen bewegen zu "wollen", wo es doch offensichtlich ist, dass unsere Umwelt l...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen