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Schweiz 125 Jahre SP – eine Gratwanderung

Die Abkürzung SP steht seit 125 Jahren für eine Partei, die praktisch seit ihrer Gründung den Spagat zwischen der Arbeitsbewegung und der Verteidigung des Sozialstaates wagt. Doch über die ganze Zeit hat die Partei ihr Ziel nicht aus den Augen verloren.

Legende: Video Meilensteine in der Geschichte der SP abspielen. Laufzeit 1:29 Minuten.
Aus News-Clip vom 06.09.2013.

Schon zum 100-jährigen Jubiläum schrieb der Doyen der Schweizer Sozialdemokratie, Helmut Hubacher, die SP sei schon immer «von rechts bekämpft und von links verspottet worden.» Mittlerweile wird sie nur noch von rechts bekämpft.

Dies zeigt, dass die SP an mehreren Fronten kämpft. Zum einen muss sie der gewerkschaftlich orientierten Klientel genügen und zum anderen ist die SP schon seit Langem eine Partei für den gehobenen und gebildeten Mittelstand.

Dieses Dilemma begleitet die Partei schon seit Jahren – akzentuiert wurde dies aber vor allem in den letzten 25 Jahren. Denn in den 100 Jahren zuvor sorgte sich die SP vor allem um ihre Etablierung und der Einführung des Sozialstaates.

Rot blieb sie über die Jahre hinweg

Die Partei wurde aber auch von aussen gezwungen, zu handeln um die alten verkrusteten Vorstellungen der Arbeitsbewegung mit moderneren Auffassungen der linken Parteipolitik zu verknüpfen. Zum einen verlor und verliert die SP Wähleranteile und zum anderen grasen die anderen Parteien, allen voran die CVP und die Grünen klar sozialdemokratische Themen ab.

Im Kern blieb die SP jedoch immer links und verlor den roten Faden nie. Dies zeigte sich zum Beispiel auch in Zeiten, als der damalige Nationalrat Peter Bodenmann 1990 die Geschicke der Partei übernahm. In der Präsidentschaft des Wallisers öffnete sich die Partei und bezeichnete sich auch als «wirtschaftsfreundlich».

Legende: Video Claude Longchamp zum Programm der SP abspielen. Laufzeit 0:53 Minuten.
Aus News-Clip vom 07.09.2013.

Mit Bodenmanns Nachfolgerin Ursula Koch ging es 1997 wieder in die andere Richtung und man huldigte erneut der «Überwindung des Kapitalismus». Damit wurde die Partei wieder roter, aber auch chaotischer. Die «Grundwertediskussion» von Koch scheiterte, doch die gewerkschaftspolitische Ausrichtung der Partei blieb. Dies vor allem unter der Gewerkschafterin Christiane Brunner, die nach dem abrupten Abgang von Koch 2000 das Ruder übernahm.

Reformen sind aber unabdingbar

Für eine weitere Korrektur des Parteikurses sorgte dann auch der Wähler. Nach den verlorenen Wahlen im 2007 kam der heutige Parteichef an die Spitze der SP. Unter Christian Levrat verstummten die Reformer und die taktischen Spiele im Parlament nahmen Überhand. Mit Hilfe der CVP sorgte Levrat für den Sturz von Christoph Blocher und hievte so Eveline Widmer-Schlumpf in den Bundesrat.

Doch eine Änderung des Kurses wünschen sich zahlreiche Parteimitglieder. So forderte auch der ehemalige SP-Bundesrat Moritz Leuenberger in der «NZZ» Reformen. Die Partei müsse noch viel stärker in globalen Dimensionen denken. Mit der Forderung, den Kapitalismus überwinden zu wollen, soll nur eine Wertediskussion angetrieben werden. «Nicht mehr, nicht weniger», so der ehemalige UVEK-Chef.

Dies anerkennt auch Levrat. Doch die SP braucht es auch in den kommenden Jahren: Solange es Leute gäbe, die im Jahr weniger verdienen würden, als andere an einem Tag und solange es Leute gäbe, die auf eine gut ausgebaute AHV angewiesen seien, brauche es die SP, erklärte der Parteichef in der «Zentralschweiz am Sonntag». Er habe noch nicht den Eindruck, dass die Geschichte der SP vorbei sei.

SP Schweiz – seit 1888

SP Schweiz – seit 1888
Legende: keystone

Die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) ist 1888 die erste Partei, welche sich auf gesamtnationaler Ebene formiert. Von der Oppositionspartei wird sie im Verlaufe des 20. Jahrhundert zur Regierungspartei – seit 1959 ist sie ununterbrochen mit zwei Sitzen im Bundesrat vertreten. Sehen Sie die Entwicklung der Partei im Zeitstrahl.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von M. Steiner, ZH
    Wer sich aus seiner eigenen Geschichte heraus für den kleinen Mann und den sozialen Frienden engagieren will, der berücksichtigt in der modernen Welt auch die Ängste des einfachen Bürges bezüglich kultureller Identität, Sicherheit, Infrastruktur oder Mobilität umfassend. Leider haben das die Sozialisten in den letzten 30 Jahren komplett ausgeblendet.
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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Die SP-Politik verkörpert, in ständig zunehmendem Mass, doch nur noch die 'Meinung' des 'öffentlich-rechtlich' beschäftigten und sehr gut 'entschädigten' Staats-Personals und seiner 'Zugewandten', die Zeiten, als die SP eine 'Arbeiter-Partei' war, sind schon längst Geschichte. Den 'Buetzer' erwähnt man nur noch nach aussen, insgeheim aber lacht man doch über die dummen 'privat beschäftigten' Knüttel, die brav 'rot' wählen, in der irrigen Meinung, wohl dann auch 'politisch' vertreten zu werden.
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  • Kommentar von H. Wach, Luzern
    Die Höhepunkte der SP (& andere europ. Sozis) war die Errungenschaft, dass Arbeitgeber & Arbeitnehmer auf gleicher Augenhöhe diskutierten & agierten. Z.B.: parit. Sozialwerke, nach dem Motto: „Einer für Alle-Alle für einen“. Heute gilt: "Alle gegen Alle-Jeder für sich", sowohl bei den Sozis als auch Kapitalisten. Mit der „heiligen“ Allianz - immer höhere Löhne, kürzere Arbeitszeit, längere Ferien - zwischen Kapital & Arbeit, wurde die Armut in die 2 Mia. "1 Dollar People" exportiert!
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