27'000 Arztbesuche wegen Zeckenstichen

Seit Jahren registriert der Bund, wie viele Menschen sich mit einem Zeckenstich beim Arzt melden. In diesem Jahr waren es besonders viele. Auch die Zahl der von Zecken übertragenen Krankheiten stieg deutlich an.

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Zeckenbisse gelten als Unfall

2:22 min, aus Tagesschau vom 16.10.2016

Warnschild vor Zecken in einem Wald

Bildlegende: Warnung vor Zecken: Noch nie seit Beginn der Meldungen gingen so viele Menschen wegen Zeckenstichen zum Arzt. Imago

Wegen eines Zeckenstichs zum Doktor? Gute Idee, fanden in diesem Jahr so viele Menschen wie noch nie seit 2008. Seit diesem Jahr wird die Zahl dieser Arztbesuche systematisch erfasst.

Höchstwert bei Lyme-Borreliose

Insgesamt registrierte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bis September 27'300 Arztbesuche nach einem Zeckenstich. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag die Zahl bei 17'400.

Auch die Zahl der am häufigsten durch Zecken übertragenen Erkrankungen stieg im vergangenen Jahr an. So registrierte das BAG hochgerechnet 12'000 Arztbesuche wegen Lyme-Borreliose – der am häufigsten durch Zecken übertragenen Infektionskrankheit. Auch diese Zahl ist ein Höchstwert seit Beginn der Messungen 2008. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Arztbesuche bei 6300.

Arztbesuche nach Zeckenstichen Zeckenstiche und Borreliose-Erkrankungen werden seit 2008 im so genannten Sentinella-Meldesystem erfasst. In diesem Netzwerk melden Allgemeinärzte, Internisten und Kinderärzte auf freiwilliger Basis wöchentlich ihre Beobachtungen. Diese werden auf die ganze Schweiz hochgerechnet. Die Hochrechnung der Anzahl Arztbesuche wegen Lyme-Borreliose könnte theoretisch auch über derjenigen wegen Zeckenstich liegen, da sich nur etwa die Hälfte Patienten mit einer akuten Lyme-Borreliose an einen Zeckenstich erinnern.

Auch bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die andere häufig durch Zeckenstichen übertragene Krankheit, verzeichnet das BAG in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg. Registriert wurden bis Ende September 181 Fälle der Hirnhautentzündung. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2014 lag diese Zahl bei 112 Fällen.

Zahl der gemeldeten Fälle von FSME Für Erkrankungen an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) besteht die obligatorische Meldepflicht. Die Zahlen sind also – anders als die Hochrechnungen zu Lyme-Borreliose – tatsächliche Fallzahlen.

Lyme-Borreliose und die Hirnhautentzündung FSME sind die beiden häufigsten Erkrankungen durch Zeckenstiche. Gegen FSME ist eine Schutzimpfung möglich, die das BAG Menschen empfiehlt, die in einem Risikogebiet leben. Wo diese Risikogebiete in der Schweiz liegen, zeigt eine Karte des Bundes. In diesem Jahr gehörte unter anderem die Nordostschweiz dazu.

Milder Jahresbeginn

Ob die Zeckenpopulation in der Schweiz zunimmt, ist unklar. Experten gehen davon aus, dass zum einen das Bewusstsein für die Gefahr eines Zeckenstiches zugenommen hat. Zum anderen dürfte der milde Jahresbeginn dazu beigetragen haben, dass die Parasiten besonders früh und lange aktiv waren.