3000 Fälle von Menschenhandel in der Schweiz

Nicht nur Zwangsprostituierte sind in der Schweiz von Menschenhandel betroffen. Auch Haushaltshilfen oder Pfleger sind Opfer. Die Bundespolizei beziffert die Zahl von Menschenhandel-Opfern mit 3000 – pro Jahr.

Sie werden geschlagen, sie erhalten Drohungen oder sie müssen Reise, Kost und Logis für horrende Preise abarbeiten.


Menschenhandel - was tun wir dagegen?

1:56 min, aus Echo der Zeit vom 18.10.2013

Die Rede ist nicht von sexueller Ausbeutung, sondern von der Ausbeutung der Arbeitskraft. Viele Branchen sind betroffen: Die Opfer von Menschenhandel arbeiten nicht nur im Sex-Gewerbe, sondern auch in der Landwirtschaft, in privaten Haushalten, in der Hotellerie, Gastronomie oder im Baugewerbe.

«Moderne Form der Sklaverei»

Boris Mesaric von der Koordinationsstelle gegen Menschenhandel des Bundes erklärt: «Bei der Ausbeutung der Arbeitskraft ist es charakteristisch, dass der Arbeitnehmer in einem Zwangsverhältnis steht und die Arbeit nicht verlassen kann.»

Um von Menschenhandel zu sprechen, reicht es laut Mesaric schon, wenn die schlechten ökonomischen Bedingungen im Ursprungsland ausgenutzt werden. «Wenn die Arbeitnehmer quasi gezwungen werden, unter schlechten Bedingungen im Zielland eine Arbeit zu verrichten.» Menschenhandel sei die moderne Form der Sklaverei.

Die Bundespolizei geht in der Schweiz pro Jahr von 3000 möglichen Opfern von Menschenhandel aus. Nur 78 Fälle sind angezeigt worden. Die hohe Dunkelziffer hat mehrere Gründe: Entweder weil die Opfer eine Aussage fürchten, sich gar nicht als Opfer sehen oder die Zwangslage hinnehmen.

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