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Schweiz 6,6 Prozent der Schweizer Bevölkerung leben in absoluter Armut

Rund 530'000 Menschen in der Schweiz oder 6,6 Prozent der Bevölkerung hatten 2014 ein Einkommen unter der Armutsgrenze. Und über eine Million Menschen sind gefährdet, in die Armut abzurutschen. Trotzdem – im EU-Schnitt steht die Schweiz gut da.

Legende: Video «Armut in der Schweiz» abspielen. Laufzeit 2:37 Minuten.
Aus 10vor10 vom 25.04.2016.

Im Jahr 2014 waren in der Schweiz 4,6 Prozent der Bevölkerung so arm (EU-Schnitt: 18,6 Prozent), dass sie aufgrund materieller Entbehrungen deutlich erschwerte Lebensbedingungen hatten. Sie waren beispielsweise nicht in der Lage, innerhalb eines Monats eine unerwartete Ausgabe von 2500 Franken zu tätigen.

9,7 Prozent der Bevölkerung hatten zudem nicht die Mittel, eine Woche pro Jahr auswärts Ferien zu machen (EU-Schnitt 36,9 Prozent). Bei Personen in Einelternfamilien betrug dieser Anteil 22,6 Prozent. 1,7 Prozent der Personen waren nicht in der Lage, sich jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit wie Fleisch, Fisch oder eine vegetarische Entsprechung zu leisten.

6,6 Prozent gemäss Skos von Armut betroffen

Im Jahr 2014 waren 6,6 Prozent der Bevölkerung oder rund 530'000 Personen von Einkommensarmut gemäss den Richtlinien der Sozialhilfe betroffen. Darunter waren 123'000 Erwerbstätige (3,3 Prozent der Bevölkerung). Zu den am stärksten armutsgefährdeten sozialen Gruppen gehörten Alleinerziehende, Nichterwerbstätige und Personen ohne nachobligatorische Ausbildung.

Mässig starke Ungleichheit bei Einkommen

Im Jahr 2014 lag die Einkommensungleichheit in der Schweiz unter dem europäischen Durchschnitt: Die Summe der Einkommen der reichsten 20 Prozent war 4,4-mal so hoch wie jene der ärmsten 20 Prozent. Im europäischen Durchschnitt betrug dieser Wert 5,2.

Die ausgeprägtesten Ungleichheiten der Einkommensverteilung wiesen Serbien, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Rumänien und Spanien auf. Am geringsten war der Unterschied zwischen den Reichsten und den Ärmsten in Island und Norwegen.

Hoher Lebensstandard

Der Lebensstandard in der Schweiz gehörte auch 2014 zu den höchsten Europas. Nur Norwegen und Luxemburg können mit der Schweiz mithalten. Unter Berücksichtigung der Preisunterschiede sind die Einkommen in der Schweiz immer noch 1,7 Mal so hoch wie in Italien und 1,3 Mal so hoch wie in Deutschland oder Frankreich.

58 Kommentare

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  • Kommentar von Michel Benedetti (michelbenedetti)
    Eigentlich ist das Ganze wider der üblichen Zahlenzirkus der Statistiker. Das BFS wertet hier vor allem Einkommenszahlen aus Manchmal kommen Fragen dazu. So waren 2014 etwa 70 % der Befragten mit ihrem Leben "zufrieden". Die EU-Statistiker werten noch mehr Aspekte des Lebens aus wie Gesundheit, Wohnverhältnisse, soziale Beziehungen etc. (http://ec.europa.eu/eurostat/cache/infographs/qol/index_de.html). Doch die Schweiz sucht ihr vergeblich :-). Alles klar?
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  • Kommentar von Florian Lienhard (Florian Leon)
    Lebe seit Jahren als Student knapp an der "Armutsgrenze" und habe vorher ca. das Doppelte an Einkommen erwirtschaftet. Fühle mich überhaupt nicht arm und kann mit dem Minimum gut durchkommen. Die ganze Debatte um Armut ist doch wirklich eine Definitinssache. Relativ arm gegenüber einem Reichen ist man mal schnell und zum Glück brauchts zu Zufriedenheit nicht einen überborderden Konsum. Arbeiten in Jobs die man nicht mag für Dinge die man nicht braucht.....
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
    Ich muss einfach sagen ich kann diese Gejammer nicht wirklich ernst nehmen. Armut? Ja, wenn man meint alles haben zu wollen, dann sind viel in der Schweiz Arm! Doch wer versteht Prioritäten zu setzen und auch mal auf was Verzichten kann, der kommt sehr gut in der Schweiz über die Runde. Und das gewisse Leute meinen hier über die Flüchtlinge herzuziehen, zeigt auf das viele wirklich keine Ahnung von Armut haben!
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    1. Antwort von Florian Lienhard (Florian Leon)
      Meine Worte, das trifft es aber 100%! Und aus Frust noch die Flüchtlinge an den Pranger stellen, einfach unglaublich (traurig). Gibt Studien von Psychologen, die festhalten, dass bereits das Streben nach Reichtum und materiellen Güter unser Wohlbefinden deutlich zu verringern scheint. Weil es ja immer noch eine bessere Wohnung und ein schönerers Auto gibt, sind dann Materialisten zum Unzufrieden sein verurteilt ?
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    2. Antwort von Margot Helmers (Margot Helmers)
      Dann sehen Sie sich die Daten mal genau an: http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/13/03/03/dos/04.Document.108049.xls
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