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Einschätzung Aargau-Korrespondentin Natascha Schwyn
Aus Tagesschau vom 18.10.2020.
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Aargauer Wahlen 2020 Grün, aber bürgerlich: Nur eine «sanfte Revolution» im Aargau

Die grüne Welle hilft im Aargau vor allem der politischen Mitte. Zwar legen die Grünen im Kantonsparlament vier Sitze zu – doch diese gehen auf Kosten der Sozialdemokraten. Das linke Lager bleibt also in etwa gleich stark, was im Aargau eher schwach ist. SP und Grüne kommen gemeinsam auf 37 Sitze, von 140.

Die Grünliberalen haben vor allem vom Ende der kantonalen BDP profitiert. Diese hat vier Sitze «hinterlassen». Einen davon hat sich die CVP geschnappt. Die anderen drei wanderten wohl – zusammen mit einem Sitz der Freisinnigen und der SVP – zu den Grünliberalen.

GLP-Chef dämpft Erwartungen

Damit wird der Kanton Aargau definitiv grüner. Wobei selbst GLP-Präsident Beat Hiller vor allzu grossen Erwartungen warnt. Man müsse mehrheitsfähige Lösungen finden, erklärt er nach dem Sieg. Das kürzlich gescheiterte Energiegesetz – im politischen Prozess schon vor der Abstimmung ziemlich entschärft – zeigt, dass Umweltpolitik am Schluss auch Mehrheiten beim Stimmvolk finden muss.

Der Aargau wird auch etwas progressiver. Es scheint, als ob die Wählerinnen und Wähler aus städtischen Zentren langsam aber sicher die politischen Gepflogenheiten der Dörfer auf dem Land verdrängen. Doch dieser Prozess ist ein langsamer Prozess.

Rechtsbürgerliche Dominanz ist vorbei

Die SVP bleibt mit Abstand die stärkste Kraft im Kanton Aargau. Sie allein hat mehr Sitze als SP und Grüne zusammen – 43 sind es noch immer. Rechnet man die relativ treue Fraktionspartnerin EDU dazu, dann sind es sogar 45. Zusammen mit der FDP sind es 66 Sitze - knapp die Hälfte. Zusammen mit der CVP habe man immer noch eine Mehrheit, freut sich denn auch FDP-Präsident Lukas Pfisterer.

Doch die Zeiten, in denen SVP und FDP zu zweit die kantonale Politik diktieren konnten, sind definitiv vorbei. Grünliberale, CVP und EVP – die Mitte – sind stärker geworden. Damit ist der Kanton Aargau zwar nicht wirklich nach links gerutscht – in sozialen Fragen zum Beispiel stehen SP und Grüne immer wieder allein da mit ihren Anliegen. Aber der Kanton Aargau ist sicherlich etwas weniger rechtsbürgerlich dominiert.

Älter, männlicher: Doch keine Revolution

Dass die Welt nach diesem Wahltag im viertgrössten Kanton keine ganz neue ist, das zeigt auch der Blick auf die Regierungswahlen: Die politische Zusammensetzung der Regierung bleibt gleich. Und die Regierung bleibt ein reines Männergremium. Bei den Parlamentswahlen zeigt die Statistik, dass der Grosse Rat insgesamt sogar leicht älter und männlicher geworden ist.

Eine grosse politische Revolution ist dieser 18. Oktober also nicht für den Aargau. Auch wenn die grüne Welle den Kanton erfasst hat, auch wenn es beachtliche Verschiebungen gibt im Parlament: Es bleibt eine sanfte, langsame Revolution.

Maurice Velati

Maurice Velati

Leiter Regionalredaktion Aargau Solothurn, SRF

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Velati arbeitet seit 2003 im Studio Aarau von SRF. Seither berichtet er als Redaktor und Korrespondent aus den Kantonen Aargau und Solothurn. Seit 2015 leitet er die Regionalredaktion.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 17:30 Uhr

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Richard Sommerhalder  (Sommerhalder R.)
    Zur Aussage in diesem Bericht "Rechtsbürgerliche Dominanz ist vorbei" ist zu vermerken, dass die FDP/SVP/EDU zusammen bereits nach den Grossratswahlen im 2016 keine absolute Mehrheit mit 69 von total 140 Sitzen mehr hatten, d.h. die "Rechtsbürgerliche Dominanz" ist im Aargauer Grossen Rat schon seit 4 Jahren vorbei.
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  • Kommentar von Thomas Schuetz  (Sürmel)
    Gratulation an die GLP und die Grünen. Wie Nachhaltig der Wahlerfolg dann in die Praxis umgesetzt werden kann, ist eine ganz andere Frage. Spätestens dann, wenn die massiven , Coronabedingten Steuerausfälle in zwei Jahren zum Tragen kommen. Von einer Rezession will ich schon gar nicht erst anfangen zu reden. Dann werden wir sehen, was uns lieber ist, ein bisschen etwas Klimakosmetik oder vielleicht doch lieber etwas mehr im Portemonnaie. Bin jetzt schon gespannt...
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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Nun ja die SP hat ja auch keine Frau portiert. Die SVP hatte bis letztes Jahr eine Regierungsrätin, die nicht gerade erfolgreich politisierte und sich selber ins Abseits manöverierte. So gesehen ist die Frauenquote von Null durchaus nachvollziehbar. Letztendlich kann man sich im Amt befindlichen Regierungsräten nicht einfach die Kandidatur für eine weitere Legislatur verbieten. Man muss hier politisch gesehen durchaus realistisch bleiben.
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