Abbau bei der Post: Gewerkschaften sind alarmiert

Traditionelle Poststellen werden geschlossen und sollen durch Agenturen in Läden ersetzt werden. Hunderte Post-Mitarbeiter sind betroffen. Die Ankündigung der Post stösst zwar auf Kritik, doch hegt man auch ein gewisses Verständnis für ihre Lage.

Signet der Post

Bildlegende: Die Post muss Angestellte entlassen, will aber die Dienstleistungen nicht abbauen. Keystone

Bis in gut drei Jahren schliesst die Post fast die Hälfte ihrer Poststellen. 1200 Angestellte könnten davon betroffen sein. Kündigungen soll es keine geben, das Angebot sogar ausgebaut werden. Trotzdem sprechen die Gewerkschaften von einem «Kahlschlag».

Der Abbau widerspreche ihrem Verständnis von Sozialpartnerschaft, sagt etwa René Fürst von der Gewerkschaft Transfair: «Es ist eine Katastrophe und wir sind wahnsinnig enttäuscht.» Anstatt Filialen zu schliessen, müsse die Post neue Geschäftsfelder erschliessen, fordert Fürst.


Die Post plant massiven Abbau

5:48 min, aus Rendez-vous vom 26.10.2016

Der Entscheid sei die falsche «Message», vor allem in die Randregionen. «Er führt dazu, dass noch weniger Leute auf die Dienstleistungen der Post zugreifen können. Damit ist auch schon der Abbau von weiteren Poststellen aufgezeichnet.» Auch wenn die Post Entlassungen vermeiden wolle, ist Gewerkschafter Fürst überzeugt, dass es zu einer Massenentlassung kommen wird.

Rickli hat Verständnis für den Ärger – und für die Haltung der Post

Die SVP-Nationalrätin und Präsidentin der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, Natalie Rickli, hat ein gewisses Verständnis für den Ärger der Gewerkschaften. Nach praktisch wöchentlichen Abbaumeldungen von der Post sei die ländliche Bevölkerung verunsichert.

Allerdings komme die Post angesichts sich ändernden Gewohnheiten der Bevölkerung nicht um gewisse Anpassungen herum: «Die Poststellen werden immer weniger frequentiert. Insofern kann ich die Stossrichtung der Post nachvollziehen», so Rickli. Dabei müsse ein Service-public-Unternehmen wie die Post aber nicht unbedingt nach Gewinn streben: «Es muss die Aufgaben erfüllen, die das Gesetz vorsieht.»

Kritisch über die Abbaupläne äussert sich auch FDP-Nationalrat Kurt Fluri: «Ich glaube nicht, dass man einfach sagen kann, die Infrastruktur und der Service public können jetzt um 600 Poststellen heruntergefahren werden. Das scheint mir zu pauschal. Mir scheint es eher ein Sparziel als ein sondiertes Ziel zu sein, das auf den örtlichen Verhältnissen abstellt.»

Ein Vorteil für Leute auf dem Land?

Er habe zwar auch keine Freude am Abbau bei der Post, sagt der CVP-Vertreter Martin Candinas. Aber die Post müsse sich neu orientieren. Wenn es keine Abstriche bei der Qualität gebe, könnten Post-Agenturen in ländlichen Gebieten und Bergregionen auch eine Chance für das lokale Gewerbe sein. «Ich sehe das vor allem auch im Berggebiet. Dort gibt es Läden, die auch Mühe haben. Mit dieser Kooperation könnten sie langfristig gesichert werden.»

Für die Kunden sei wichtig, dass die Qualität der Dienstleistung erhalten bleibe. Man habe erkannt, dass die Öffnungszeiten der Poststellen nicht mehr dem Bedürfnis der Kunden entspreche. «Das kann mit Agenturen viel besser gelöst werden», sagt Candinas.

Anfang nächster Woche will sich die Verkehrs- und Fernmeldekommission des Nationalrats mit den Spitzen der Post sowie mit der zuständigen Bundesrätin Doris Leuthard zu Gesprächen treffen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Der gelbe Riese schrumpft

    Aus Tagesschau vom 26.10.2016

    In den nächsten Jahren soll fast die Hälfte der Poststellen geschlossen und durch Agenturen in Läden ersetzt werden. Hunderte von Mitarbeitern sind betroffen. Die Ankündigung der Post stösst auf Kritik, aber auch auf gewisses Verständnis.