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ABC für Flugzeugbeobachter Während des WEF schlagen Planespotter-Herzen höher

Aus aller Welt kommen sie zum Flughafen Zürich, um die Regierungs- und Businessmaschinen zu fotografieren. Dabei geht es nicht um Geld, sondern ums Sammeln. Was man als Planespotter wissen muss.

Was ist Planespotting? Spotter leitet sich aus dem englischen Wort «to spot» ab, was so viel heisst wie beobachten. Spotter sind also Menschen, die gezielt Dinge oder Phänomene beobachten. Planespotter beobachten Flugzeuge. Es gibt Planespotter, die Flugzeuge fotografieren, und solche, die nur die Registrationnummer notieren.

Was sind Planespotter für Menschen? Vom kleinen Mädchen bis zum Pensionär, vom Büezer bis zur Akademikerin gibt es alles. Patrick Wirth, Präsident des Vereins Airside Foto Zürich sagt: «Planespotter haben Kerosin im Blut.» Sie lebten ihr Fernweh, die Faszination für die Fliegerei aus, indem sie Flugzeuge beobachten und fotografieren.

Welche Ausrüstung braucht man fürs Spotten? Es gilt nicht unbedingt: Je länger das Objektiv, desto besser. Wirth hat zum Beispiel mit einer Kompaktkamera angefangen. Und andere fotografieren mit dem Handy. Wenn man allerdings bei schlechten Lichtverhältnissen fotografieren oder Nachtaufnahmen machen will, dann braucht es lichtstarke Objektive und ein Stativ.

Neben dem Fotoapparat ist auch ein Flugfunkempfänger dienlich, mit dem man den Funkverkehr zwischen Piloten und Fluglotsen abhören kann.

Welches sind die besten Orte? Der Flughafen Zürich ist für Planespotter sehr attraktiv, denn es landen und starten viele verschiedene Fluggesellschaften und unterschiedliche Flugzeugtypen. Neben den Linienflügen gibt es zudem Privatmaschinen.

Zürich ist ausserdem ein Spotter-freundlicher Flughafen. So stellt er ein Dutzend Beobachtungsplätzen rund ums Flughafengelände eine grosse Zuschauerterrasse und einen Spotterhügel zur Verfügung. Der Zaun rund um den Flughafen hat an manchen Stellen Löcher für die Kamera-Objektive, damit die Metalldrähte nicht im Sucher und später im Bild stören. Denn: Der Flughafen schätzt die Planespotter. «Sie haben Freude am Flugbetrieb und sind wichtige Botschafter für uns», sagt Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling. Und deshalb werden sie auch gepflegt.

Aber auch kleinere Schweizer Flughäfen haben ihren Reiz: Spezielle Businessjets kann man im Winter zum Beispiel auch in Samedan fotografieren. Für diesen Flugplatz spricht auch die attraktive Landschaft. Und wer sich für Militärluftfahrt interessiert, der reist nach Payerne.

«Schweiz Aktuell» begleitet am Donnerstag den Planespotter Patrick Wirth, der Fotos von der Landung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump in Zürich machen will. Ab ca. 10 Uhr ist zudem ein Livestream geplant.

Welches sind die besten Daten für Planespotting? Das WEF ist unbestritten der Höhepunkt des Spotter-Jahres. «Die WEF-Woche ist DIE Woche im Jahr, die sich die Planespotter lange im Voraus rot im Kalender anstreichen», erklärt Sonja Zöchling. Dann kommen Planespotter aus aller Welt nach Zürich, besonders aus Holland und England. Und Patrick Wirth schwärmt: «Nur dann sieht man eine solche Masse an Regierungsmaschinen und Businessjets. Da kann kaum ein anderes Ereignis weltweit mithalten.» Mitunter würden dann auch Maschinen eine Landeerlaubnis erhalten, die sonst wegen des Lärms und der Emissionen gar nicht mehr in Zürich landen dürften – darunter russische Maschinen.

Aber auch am Flughafen St. Gallen-Altenrhein herrscht während des WEF jeweils Hochbetrieb. Der kleine Flughafen ist in den letzten Jahren zu einer Drehscheibe für Businessjets aus der ganzen Welt geworden. Und in Dübendorf kann man derzeit vor allem US-Maschinen und Helikopter aber auch diverse Businessjets sehen.

Wo informieren sich Planespotter? Da ist zunächst der offizielle Flugplan eines Flughafens, den man im Internet findet. Dann gibt es Online-Plattformen und Foren, auf den Informationen ausgetauscht werden. Apps wie zum Beispiel Flightradar24 zeigen, welche Maschinen im Anflug sind. Dort sind allerdings Privatjets nicht vermerkt. Gerade bei diesen ist es letztendlich eine Lotterie, sagt Wirth, denn die halten sich nicht an einen offiziell publizierten Flugplan.

Gefährden Planespotter nicht den Flugbetrieb und die Sicherheit der (berühmten) Flugpassagiere? Sicherheitsbedenken, weil die Spotter Informationen über die Flugbewegungen oder Bilder veröffentlichen, haben die Flughafenbehörden nicht. «Diese Frage ist gar nie aufgetaucht», sagt Zöchling. Viel Möglichkeiten, den Austausch solcher Informationen zu verhindern, hat der Flughafen Zürich sowieso nicht, denn sie sind frei verfügbar. Und sowieso: «Die Spotter interessieren sich nicht für die Passagiere, sondern für die Flugzeuge.»

Die Besucherterrasse ist am Donnerstagvormittag und am Freitagnachmittag aber geschlossen, dann nämlich landet bzw. startet die Airforce One mit dem US-Präsidenten an Bord. Der Spotterhügel hingegen ist geöffnet. Es muss allerdings mit Polizeikontrollen gerechnet werden.

Was ist das «Grösste» für einen Planespotter? Für Wirth sind das spezielle Flieger oder einmalige Ereignisse wie die Erstlandung der Air Force One im Jahr 2000, der Erstflug der A380 oder die Landung des grössten Flugzeugs, der Antonow 225. Aber auch Spezialbemalungen – wie zum Beispiel die der Etihad mit ihrer Formel-1-Bemalung – lassen Spotter-Herzen höherschlagen.

Übrigens: Mit Flieger-Bildern wird man nicht reich. Selten kann man ein Bild an eine Fluggesellschaft verkaufen oder an einen Piloten der fotografierten Maschine. Ausserdem ist das Angebot an Fotos viel grösser als die Nachfrage, denn es gibt viele Planespotter. So publizieren diese ihre Bilder meist auf der eigenen Homepage, auf Facebook oder Instagram oder horten sie auf dem Computer. Denn letztlich geht es ums Jagen und Sammeln, wie Wirth sagt.