Abhörsichere Recherchen sind aufwändig

Die Abhöraktionen des amerikanischen Geheimdiensts NSA wirken sich auch auf die Arbeit von Medienschaffenden aus. Wenn nicht mal Angela Merkels Handy abhörsicher war, müssen Journalisten dann nicht damit rechnen, dass sie bei ihren Recherchen bespitzelt werden?

Wer über Missstände bei Behörden recherchiert oder über fragwürdige Geschäftspraktiken in Unternehmen, der musste schon immer Vorsicht walten lassen. «Ich war eigentlich schon immer paranoid», sagt denn auch die «Blick»-Journalistin Monica Fahmy. «Von meiner Arbeit her weiss ich, wenn jemand will, kann er die Telefonate abhören und die E-Mails lesen. Man konnte schon die ganzen Festnetze abhören.» Deshalb treffe sie in heiklen Fällen ihre Informanten persönlich.

Ein E-Mail ist wie eine Postkarte


Abhörsicher recherchieren

2:24 min, aus SRF 4 News aktuell vom 07.11.2013

Keine Spuren zu hinterlassen, das empfiehlt auch der «Stern»-Reporter Oliver Schröm, der das deutsche Netzwerk Recherche präsidiert. Man gehe davon aus, dass zumindest der Gesprächspartner. «Man schreibt keine vertraulichen Mitteilungen per E-Mail. Man weiss, dass das wie eine Postkarte ist. Man trifft sich mit den Leuten, man vereinbart sichere Kommunikationswege. Heikle Sachen werden nicht am Telefon oder per Mail ausgetauscht.»

Tote Briefkästen, spezielle Kommunikationskanäle, geheime Treffen auf der Autobahnraststätte – was wie im Agenten-Krimi tönt, sei nötig, wenn man auf Nummer sicher gehen wolle. Und zwar nicht nur wenn man im Agenten-Milieu recherchiere. «Es geht um meine Informanten. Denen muss ich zusichern können, dass ich alles Mögliche tue, um ihre Anonymität zu wahren», sagt Schröm.

Anderer Blick auf die Arbeit

Auch der Recherche-Leiter der SonntagsZeitung Oliver Zihlmann sagt, man habe die Lehren aus dem Fall Snowden gezogen: «Wir versuchen, vermehrt E-Mails zu verschlüsseln. Wir stossen da aber auch an technische Grenzen, dass das bei Firmengeräten vielleicht gar nicht möglich ist. Es verändert den Blick auf die Arbeit auf jeden Fall.»

Einig sind sich alle Befragten, dass durch all diese Vorsichtsmassnahmen der Aufwand zunimmt. Damit sich nicht nur die grossen Medienhäuser solche aufwändigen Recherchen leisten können, haben sich nach Deutschland auch in der Schweiz recherchierende Journalisten aus konkurrenzierenden Medien zusammengeschlossen zu einem Netzwerk, um Tipps und Tricks auszutauschen.