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Schweiz Abschied vom verstorbenen Lega-Chef Giuliano Bignasca

Das Tessin hat vom verstorbenen Lega-Präsidenten Giuliano Bignasca Abschied genommen. Mehrere tausend Menschen erwiesen ihm die letzte Ehre.

Die Zeremonie begann beim Büro der Lega dei Ticinesi mit einem langen Trauerzug. Seit Freitag war der Verstorbene an seiner alten Wirkungsstätte in der Via Boglia aufgebahrt gewesen. Zahlreiche Tessiner Politiker aller Parteien gaben dem Politiker das letzte Geleit, darunter auch Nationalräte und Ständerat Filippo Lombardi (CVP).

Legende: Video «Beerdigung von Bignasca» abspielen. Laufzeit 0:43 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.03.2013.

Der Tessiner Staatsrat war vollständig anwesend – ebenso die Stadtregierung von Lugano, der Bignasca angehört hatte. Von der «Lega Nord» aus Norditalien waren der Präsident der italienischen Region Lombardei, Roberto Maroni, sowie Parteigründer Umberto Bossi angereist. Sie waren mit dem Tessiner Lega-Präsidenten befreundet.

In den Innenräumen der Kapelle war nur Platz für die Angehörigen und die Politprominenz. Die Mehrheit der Besucher stand draussen im Regen. Die Beisetzung im Krematorium erfolgte anschliessend im engen Kreis. Bignasca war am vergangenen Donnerstag im Alter von 67 Jahren unerwartet gestorben.

Was wird aus der Lega?

Bignascas Tod hat bei der Lega dei Ticinesi ein Vakuum hinterlassen. Noch ist offen, wer in Zukunft bei der Rechtspartei die Fäden in die Hand nehmen soll. «Bignasca war die Lega, die Lega war Bignasca», sagte Staatsrat Marco Borradori (Lega) der RSI. Er liess offen, ob er selbst Bignascas Rolle übernehmen wolle. «Wichtig ist erst einmal, dass die Lega fest zusammenhält». Denn das Risiko, das die Partei ohne ihre poltrige Leitfigur auseinanderfallen könnte, scheint nicht unerheblich.

Keine Parteigremien

Über eine klare Struktur verfügt die Partei nicht. Bignasca war «Präsident auf Lebenszeit». Nun plötzlich Gremien und klare Hierarchien zu schaffen, sei schwer vorstellbar, sagte Grossrats-Präsident Michele Foletti gegenüber der RSI. Dies würde nicht zu der Bewegung passen. Eine Zukunft sieht er trotzdem.

Das Schicksal der Lega könnte auch an die Entwicklung des Parteiblatts «Il mattino della Domenica» geknüpft sein. Es fungierte als Sprachrohr. Die Zeitung wurde zu einem grossen Teil von Bauunternehmer Bignasca finanziert. Borradori sagte, sich erst einmal mit den Autoren der Zeitung, Bignascas Sohn Boris und Nationalrat Lorenzo Quadri besprechen zu wollen.
 
Keine Entscheidung fiel bisher zur Nachfolge Bignascas in der Stadtregierung Luganos. Foletti würde theoretisch bis zu den Wahlen am 14. April nachrücken. Er würde aber vorziehen, den Sitz vakant zu lassen, wie er sagte.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Bevor Bignasca noch zu einem Märtyrer hochgejubelt wird - trotz seiner auch positiven Akzente, mit denen er die Schweizer Politik neu aufgemischt hat -, muss festgehalten werden, dass seine rassistischen Äusserungen gegen die Fussball-Nati völlig daneben waren. Zudem würde ich gern wissen, wie hoch der volkswirtschaftliche Schaden im Jahr 1991 durch seine Autobahn-Blockade war und wer dafür aufkommen musste. Wohl kaum er selber - oder etwa doch? Wer weiss darüber Bescheid?
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