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Abschleppen ohne Auftrag Neue Abschleppabzocker machen die Runde – und kriegen kalte Füsse

Legende: Audio Neue Abschleppabzocker machen die Runde – und kriegen kalte Füsse abspielen. Laufzeit 7:45 Minuten.
7:45 min, aus Espresso vom 29.06.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Abzockerfirmen, die willkürlich Autos abschleppen und dafür gesalzene Rechnungen verlangen, bleiben ein Problem, vor allem in der Stadt und im Kanton Zürich.
  • Eine Hörerin des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» wehrt sich erfolgreich gegen einen neuen Anbieter, der sich mit dieser Methode eine goldene Nase verdienen will.
  • Die Stadtpolizei Zürich gibt Tipps gegen die Abzocker und ruft zu Anzeigen auf.
  • Mehrere Gerichte haben den Abzockern unterdessen auch schon die rote Karte gezeigt.

Ein grosser Schreck nach einem fröhlichen Konzertabend mitten in der Stadt Zürich: «Als ich zum Parkplatz zurückkomme, ist mein Auto weg», berichtet eine «Espresso»-Hörerin. Sie hatte den Wagen nach Ladenschluss auf einen privaten Geschäftsparkplatz gestellt.

Völlig überrissene Rechnung

Die Polizei teilte ihr mit, die Firma «Auto Notruf Zürich» habe den Wagen abgeschleppt. Dort sagte man ihr, sie könne ihn abholen – gegen 575 Franken in bar. Gegen Rechnung werde das Ganze nochmals um 80 Franken teurer.

«Nicht mit mir», sagte sich die Lenkerin und stellte Nachforschungen an. Dabei stellte sich heraus, dass die Abschlepper ohne Auftrag der Geschäftsinhaberin gehandelt hatten. Diese bestätigt gegenüber «Espresso», das sei so und man habe auch kein Problem damit, wenn jemand nach Ladenschluss dort parkiere.

Firma ist einschlägig bekannt

Bei der Interessensgemeinschaft gegen die Abschlepp-Abzocke, die seit mehreren Jahren solche Fälle sammelt, kennt man den «Auto Notruf Zürich»: «Auch bei uns sind schon mehrere Beschwerden dagegen eingegangen», erklärt IG-Gründerin Nicole Lieberherr. Es handle sich um einen neueren Anbieter, der mit dieser Masche arbeite. Leider sei es nur einer von mehreren. Auch andere, unseriöse Anbieter würden solche überrissenen Rechnungen ausstellen, willkürlich abschleppen oder sogar Mitarbeiter aussenden, die Autos fotografieren, deren Lenker offensichtlich nur kurz irgendwo anhalten. Danach erhalten diese eine Rechnung für eine Leerfahrt des Abschleppdienstes.

Abschleppdienst: «Interner Korrespondenzfehler»

Als sie sich den kritischen Fragen von «Espresso» gegenübersehen, bekommen die Abschlepper offenbar kalte Füsse: Es handle sich im vorliegenden Fall um einen «internen Korrespondenzfehler», heisst es in einem Mail, das auch die betroffene Autolenkerin erhält. Man entschuldige sich und storniere die Rechnung. Die SRF-Hörerin lässt das aber nicht einfach so durch: Sie stellt dem Abschleppdienst den Aufwand in Rechnung, den ihr die Abschleppaktion eingebracht hatte.

Tipps: So verhindern Sie die Abschlepp-Abzocke

Einschlägige Abschlepp-Firmen warten nur darauf, bis Automobilisten falsch parkieren. Sie schleppen ihre Autos innert Minuten ab und verlangen unverhältnismässig hohe Kosten. Sogar für Leerfahrten. Hier erfahren Sie, was Sie dagegen tun können.

Stadtpolizei Zürich rät zu Anzeigen

Bei der Stadtpolizei Zürich, der die unseriösen Abschleppfirmen schon lange ein Dorn im Auge sind, empfiehlt man gar eine Anzeige. Klar, es sei nicht anständig, sein Auto einfach ohne Einwilligung auf einem privaten Parkplatz abzustellen, sagt Mediensprecher Marco Cortesi. Aber: «Das Vorgehen dieser unseriösen Abschleppfirmen ist unlauter, das geht nicht. Man kann nicht einfach ohne guten Grund Autos abschleppen», erklärt er.

Tatsächlich haben schon mehrfach solche Fälle die Gerichte beschäftigt, sogar schon das Bundesgericht. Es ging vor allem um den Tatbestand der Nötigung, wenn die Abschleppfirma das Auto nur gegen Barzahlung herausrücken wollte, oder um die unverhältnismässig hohen Tarife.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Caviezel (Angemeldet)
    Völlig überrissene Rechnung? Wenn die Polizei dem Abschleppdienst den Auftrag erteilt kostet es auch soviel. Das ist dann nicht überrissen? Das ist so eine bodenlose Frechheit, aber wehren kann man sich nicht. Vielleicht thematisiert das "Espresso" auch mal. Mehr als 150.-- Fr. sind nicht gerechtfertigt. Unfallfahrzeuge abschleppen ist viel billiger.
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  • Kommentar von H Kuhn (K.H.)
    Sieht doch ganz nach krimineller Handlung aus. Ist auch klar in welcher Ecke solche Individuen zu suchen sind. Es wäre zu wünschen, dass gewisse Ämter die Augen etwas besser offen halten würden, denn wenn es mit der jetzigen "Tätigkeit" nicht mehr läuft, geht's vielleicht Richtung Sozialamt. Aber eben, den Ämtern sowas zuzumuten, ist schon etwas viel verlangt.
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  • Kommentar von Ernst Boller (BOER)
    Aus meiner Sicht ist das klar Erpressung. Dann gibt es in Zürich noch eine Firma, die auf privaten Parkplätzen „Bussen“ von mindestens 80 Franken verteilt. Auch der ist offenbar nicht beizukommen.
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