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Unternehmenssteuer Unternehmenssteuerreform III: Kirchen bangen um Pfründe

In vielen Kantonen zahlen auch Firmen Kirchensteuern. Zuweilen geht es um Millionen von Franken, die Kirchen von Unternehmen erhalten. Für die Kirchen sind das willkommene Beiträge, aber auch ein Risiko. Wegen der Unternehmenssteuerreform III erwarten die Kirchen nämlich grosse Einbussen.

Grossmünster in Zürich in der Nacht
Legende: Angst vor USR III: Bei den reformierten Kirchen befürchtet man Millionenausfälle. Keystone

Der Kirchenratspräsident der reformierten Kirche im Kanton Zürich, Michel Müller, ist besorgt: Senkt sein Kanton die Gewinnsteuern für Unternehmen wie angekündigt, fällt automatisch auch weniger für die Kirche ab. Es gehe um Millionen, sagt Müller.

Wo genau das Geld fehlen wird, ist noch nicht klar. Fest steht aber: Das Steuergeld, das die Kirche von Unternehmen erhält, darf von Gesetzes wegen nicht für kultische Zwecke, also etwa für Gottesdienste verwendet werden. Es muss der ganzen Gesellschaft zugutekommen. So fliesst es etwa an Mittagstische, in Arbeitslosenprojekte, Deutschstunden für Flüchtlinge und in die vielen denkmalgeschützten Liegenschaften der Kirche.

Unterstützung für das Referendum?

Sparübungen könnten daher den Unterhalt von Kirchen treffen, so Müller. Die Reformierte Kirche des Kantons Zürich prüft deshalb, ob sie das Referendum der Linken gegen die Unternehmenssteuerreform III unterstützt.

Anders im Kanton Baselland: Dort erwartet die reformierte Kirche zwar auch Ausfälle. Allerdings ist die Lust, als Kirche gegen die Reform zu kämpfen, eher klein. Denn wenn sich die Kirche gegen die Reform wehre, könnte das kontraproduktiv sein, sagt Daniel Kosch, Geschäftsführer der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz. Das habe eine Mitgliederbefragung gezeigt.

Debatten um Kirchensteuer für Unternehmen

Die Kirchen wollen offensichtlich kein Öl ins Feuer giessen. Denn die Kirchensteuern für Unternehmen sind immer wieder Gegenstand erbitterter Debatten. Vor zwei Jahren verlangte im Kanton Zürich eine Volksinitiative die Abschaffung der Steuer; die Initiative wurde allerdings deutlich abgelehnt.

Keine Sorgen um die längerfristigen Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform III auf die Kirchenkassen macht sich CVP-Nationalrat Leo Müller. Er befürwortet die Reform: Sie sei nötig, sonst zögen Unternehmen weg, tausende Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel.

Und doch müssen sich die Kirchen fragen, wie sie in nächster Zeit über die Runden kommen. Schon eine Antwort gefunden haben die Kirchen im Kanton Bern: Sie dürfen mit einem Extra-Zustupf vom Bund rechnen. Denn im Rahmen der Unternehmenssteuerreform III erhalten die Kantone einen grösseren Anteil an der Bundessteuer. Was die Kantone mit diesem Geld machen, ist ihnen überlassen. Bern wolle nun einen Teil davon den Kirchen überweisen, heisst es bei der Berner Finanzdirektion auf Anfrage.

6 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Klar ist das so. Das nennt man Säkularismus. Und?
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  • Kommentar von Olivier Wetli ("nicht von dieser Welt")
    Hätte sich das Bekennertum biblisch gelehrt verhalten und nicht in Staatsapparate einverleiben lassen, so wären sie geistlich gesegnet gewesen. So haben sie systematisch ihre Pfründe sichergestellt und sind geistlich ungesegnet und tot. Kol 3,2 Sinnet auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist; 1. Thess 4,11 Wir ermahnen euch aber, Brüder,... eure eigenen Geschäfte zu tun und mit euren eigenen Händen zu arbeiten, so wie wir euch geboten haben,
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  • Kommentar von Nicolas Burnier (*censored*)
    Mein Appell. Trennt die Kirche vom Staat. Jeder soll glauben was er will aber parallel zum Staat und nicht damit verknüpft
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Bingo! Die Steuerhoheit sollte ein staatliches Monopol sein, und weder mit Monarchen noch mit Theokraten geteilt werden. Die Kirchen haben sich allerdings mit Diakonissinenarbeit als wichtiger Pfeiler der Bibetheokratie etabliert. Nach der Keulung des Hoheitsrechtes der Besteuerung koennten mit den Kirchen fuer eine Uebergangszeit Leistungsvertraege abgeschlossen werden, bis die Hospices Generaux des Staates so ausgebaut sind, dass sie alle Dienste fuer Weisen bis zu Greisen erbringen koennen...
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