Zum Inhalt springen

Mindestlohn-Initiative «Ein starkes Land braucht faire Löhne»

Wer Vollzeit arbeitet, muss von seinem Lohn auch leben können. Für die Urheber der Mindestlohn-Initiative ist dies nicht nur ein Gebot der Menschenwürde, sondern auch der wirtschaftspolitischen Vernunft.

Legende: Video Gewerkschaftsbund fordert Mindestlohn abspielen. Laufzeit 1:19 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 27.02.2014.
Porträt von Paul Rechsteiner.
Legende: Rechsteiner: «330'000 Personen in der Schweiz arbeiten für Löhne unter 22 Franken pro Stunde.» Keystone

Der Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) verlangt einen landesweiten gesetzlichen Mindestlohn. Dieser soll bei 22 Franken pro Stunde liegen, was rund 4000 Franken im Monat entspricht. Über das Begehren wird am 18. Mai abgestimmt. Zusammen mit den Gewerkschaften Unia, SYNA, Syndicom und SIT haben Vertreter des SGB den Abstimmungskampf für die Initiative lanciert.

Frauen besonders betroffen

330'000 Personen in der Schweiz arbeiteten für Löhne unter 22 Franken pro Stunde. Ein Drittel davon verfüge über eine abgeschlossene Berufslehre, sagte SGB-Präsident Paul Rechsteiner. «Sie leisten tagtäglich qualifizierte Arbeit, ohne dass sie von ihrem Lohn auch anständig leben können.» Wenn sie vom Staat unterstützt werden müssten, sei das nichts anderes als eine Lohnsubvention zugunsten von Arbeitgebern, die schlechte Löhne zahlten.

Besonders betroffen von Tieflöhnen sind Frauen. 12 Prozent arbeiten für einen Tieflohn, was ein dreimal grösserer Anteil als bei den Männern ist. Massgeblich dafür verantwortlich ist laut Rechsteiner die Lohndiskriminierung der Frauen – im Detailhandel verdienten sie im Durchschnitt 630 Franken weniger für die gleiche Arbeit. Dagegen seien Mindestlöhne die wirksamste Massnahme.

Angstmacherei des Bundesrates

SGB-Chefökonom Daniel Lampart warf dem Bundesrat Angstmacherei vor, wenn er behaupte, dass Mindestlöhne zu mehr Arbeitslosigkeit führten. Er verwies auf die Erfahrungen im Gastgewerbe, in welchem die Arbeitslosigkeit nach der Einführung von Mindestlöhnen 1998 sogar gesunken sei. Auch die OECD sei zum Schluss gekommen, dass kein Zusammenhang zwischen Mindestlöhnen und der Arbeitslosenrate nachweisbar sei.

Ein einziger robuster Befund zeige sich in Studien zu dem Thema: «Mindestlöhne erreichen ihr Ziel – sie führen zu höheren Löhnen bei den Betroffenen», sagte Lampart.

Bundesrat und Parlament empfehlen die Initiative zur Ablehnung. Ein staatlich festgelegter Mindestlohn sei das falsche Mittel, um Armut zu bekämpfen, hatte Bundesrat Johann Schneider-Ammann argumentiert. Für ihn steht das Funktionieren des Schweizer Arbeitsmarkts auf dem Spiel. Arbeitsplätze könnten verschwinden. Das schade jenen, welchen die Initiative eigentlich helfen wolle.

25 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peter Blaser, Arth
    Das weiss mam doch schon lange, dass der Bundesrat dem Volk immer angst nacht und droht! Kommisch ist allerdings dass da die Gewerkschaft Syndicom auch mit macht, wo sie doch nicht mehr Lohn aushandeln konnte zu Gunsten der ZeitungsverträgerInnen???
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Kohler, Thurgau
    Irgendwie erinnert er mich immer an die Zahnfee mit Schnauz: Es tönt so schön - ist aber alles frei erfunden... ! Heute morgen fuhr ich bei einer Kaffeemaschinenfabrik im TG vorbei, hunderte Frauen, gingen zur Arbeit. Diese verdienen allesamt weit weniger als 4000.- Franken, weil für die Fliessbandarbeit lesen und schreiben und deutschkenntnisse nicht Bedingung sind. Wer das Gefühl hat solche Firmen würden bei Annahme der Initiative weiter hier produzieren, glaubt wirklich an die Zahnfee!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Resi Weber, Lausanne
    Warum wird in den Branchen mit kleinen Löhnen wie Coiffeurs, Verkaufspersonnal, usw. kein Gesamtarbeitsvertrag erstellt, der sämtliche Arbeitsbedingungen regelt? Ein Mindestlohn ist keine Garantie für geregelte Arbeitszeit, usw.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen