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Mindestlohn-Initiative Mehr Lohn heisst höhere Preise

Die Löhne im Gastgewerbe sind – nicht zuletzt auf Druck der Gewerkschaften – in den vergangenen Jahren um rund einen Viertel gestiegen. Da stellt sich im Hinblick auf die Abstimmung über die Mindestlohn-Initiative die Frage, wie gut die Branche dies verkraftet hat.

Für Hannes Jaisli vom Branchenverband Gastrosuisse ist klar: Nach den Lohnerhöhungen der letzten Jahre liegt nichts mehr drin. «Mittlerweile machen die Personalkosten im Gastrobereich knapp 50 Prozent aus – und mehr als die Hälfte der Betriebe macht durchschnittlich Verluste», sagt Jaisli. Dies hätten die neuesten Erhebungen seines Verbandes ergeben. «Das sind Alarmzeichen.»

Mehr Lohn nicht möglich

Jedes zweite der 27'000 Restaurants und Hotels in der Schweiz könne nur noch deshalb überleben, weil der Chef sich selber keinen anständigen Lohn auszahle. Auch könne er kein Geld zurücklegen, um den Betrieb zu modernisieren. Weitere deutliche Lohnerhöhungen lägen deshalb nicht drin, sagt der Vizedirektor von Gastrosuisse: «Nicht, dass wir nicht möchten – aber wir können schlicht und einfach keine höheren Löhne bezahlen.»

Im Gastgewerbe seien die Margen tief. Dies Gegensatz etwa zu Modeketten und Schuhhändlern, die nun plötzlich den Mindestlohn auf 4000 Franken erhöht hätten, ergänzt Jaisli. Zwischen den Zeilen gibt er damit zu verstehen, dass ihn diese wohl bloss abstimmungstaktisch motivierten Lohnerhöhungen ärgern: Dadurch entstehe der Eindruck, die Wirtschaft könne ja ohne weiteres höhere Löhne bezahlen.

Seit 2005 seien in der Schweiz 4000 Beizen und Hotels geschlossen worden, und die Zahl der Beschäftigten habe um 10 Prozent abgenommen auf noch 215'000 Personen, so Jaisli weiter.

Wer ist Schuld am Beizensterben?

Diese Zahlen kennt auch der Ökonom Beat Baumann von der Gewerkschaft Unia. Allerdings interpretiert er sie anders: «Die Zahl der Beschäftigten ist strukturbedingt zurückgegangen.» Baumann führt den starken Franken als Begründung für den Strukturwandel ins Feld.

Auch sei ein Merkmal des Gastrogewerbes eine hohe betriebliche Dynamik: «Es gibt viele Neueröffnungen, aber auch viele Restaurants, die dann wieder schliessen.» Dass Stellen in der Gastronomie verlorengegangen seien, habe also auch andere Gründe als die Lohnerhöhungen der letzten Jahre.

Zudem seien die Lohnerhöhungen für die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit gut gewesen. Das Gastgewerbe habe sich vom Image einer Tieflohnbranche lösen können, so Baumann. Auch würden höhere Löhne für mehr Qualität sprechen, für besser ausgebildetes und motiviertes Personal. Deshalb rechnet der Gewerkschafter vor, das Gastgewerbe könnte auch einen weiteren Lohnschritt verkraften.

Höhere Löhne bedeuten höhere Kosten

Der Unia-Ökonom gibt sich überzeugt, dass eine Anhebung des Mindestlohns auf 22 Franken pro Stunde nur kleine Preiserhöhungen in den Restaurants zur Folge hätte. Dazu kann Gastrosuisse-Vertreter Jaisli keine Angaben machen. Sein Verband habe versucht, die Folgen abzuschätzen. Doch: «Es hat derart viele unklare Faktoren, dass jede Zahl, die man berechnet, sowohl wahr wie auch falsch ist.»

Klar ist jedenfalls: Höhere Löhne bedeuten höhere Kosten. Letztlich wird es an den Gästen liegen zu entscheiden, ob sie etwas tiefer ins Portemonnaie greifen wollen, um dem Kellner oder dem Zimmermädchen einen Stundenlohn von 22 Franken zu gönnen.

4000 Fr. pro Monat

Die Mindestlohn-Initiative, über die am 18. Mai abgestimmt wird, verlangt einen gesetzlichen Mindestlohn in der Schweiz in Höhe von 22 Franken pro Stunde. Dies entspricht einem Monatslohn von rund 4000 Franken bei einem 100-Prozent-Pensum.

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Armin Arnold, Köniz
    Grundsätzlich bin ganz klar der Auffassung vielen Kleinverdiener hilft über die Runden zu kommen. Im Gastgewerbe ist es oftmals tatsächlich schwierig den Grundlohn einuführen. Allerdings bin ich der Meinung, dass mit gutem Willen hier eine Lösung gefunden könnte. Dazu braucht es vor allem mehr Herzensbilung der Wirtschaftleute Leider steht den Grossverdiener die Gier und die Geldbessenheit dazu im Wege
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Es ist m.E. kein gutes Zeichen für eine Gesellschaft, wenn Menschen den ganzen Tag und 6 Tage die Woche arbeiten und dann der Staat diese noch unterstützen muss damit sie nicht in eine Schuldenfalle geraten. Man kann sich fragen ob 4000.- nicht zuviel sind. Auf der anderen Seite treibt der Staat die Lebenskosten selbst in die Höhe mit Kopfsteuer, MWSt, ÖV-Billete. Warum verstaatlicht man nicht einfach die Tätigkeiten unter dem Lohnminimum? Der Staat tut diese heute eh schon quersubventionieren!
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    1. Antwort von Armin Arnold, Köniz
      Haben Sie sich auch schon gefragt, weshalb ein Mindeslohn gefordert wird.! Vor allem weil manche viel zu viel und manche viel zu wenig verdienen. Wissen Sie auch, dass niedrig Verdiener nach der Pensionierung in finanzieller Hinsicht noch mehr unten durch müssen! Weil Sie nicht in idie dritte Vorsorge Einrichtung einbezahlen können. Diese wird zu Unrecht von den Poltiker ja als soziale Sicherheit und Gerechtigkeit empfohlen
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Höhere Löhne bedeutet auch mehr Kaufkraft bei den unteren Einkommen, bedeutet mehr Nachfrage. Nur die Kostenseite anzuschauen und als Argument ins Felde zu führen ist falsch. Sicher hat die Initiative eine gewisse (positive) Verteilunhswirkung. Ein Problem ist der Druck auf die Mieten, welche ebenfalls anziehen könnten. (Solange der Boden als Geldanlage zur Vermöhensvermehrung dient wird die Umverteilung nach oben nicht zu stoppen sein)
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      H. Bernoulli, danke für diese gute Sichtweise. Ein zu hoher Mindestlohn und unkontrollierte Bodenspekulation können zu einer Kostenspirale führen, bei der der Lohn und die Mieten immer mehr steigen, bis man nur noch Reiche und (ins Ausland deportierte) Arme hat. Deswegen sollte m.E. der Staat auch die Hand auf die Preise von elementaren Gütern (einfache Wohnung, schlichte Kleider, Gemüse, usw.) halten! Wer sich auf Kosten der Armen bereichert ist m.E. krank!
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Doch Fakt ist, dass die Lebensunterhalt-Kosten nicht in allen Regionen der Schweiz dieselben sind. Wenn, denn Mindestlöhne, dann regional bedingt. Flächendeckend wären Menschen in Regionen, wo Mieten inkl. Krankenkassen-Beiträge. Steuern usw. höher sind klar benachteiligt. Deshalb "Nein" für diese Initiative.
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