Schwarze Listen gegen pädosexuelle Übergriffe im Sport?

Immer wieder kommt es in Vereinen zu sexuellem Missbrauch von Kindern oder Jugendlichen. Die Sportverbände sind sich der Problematik bewusst und haben die Prävention verstärkt. Doch vor einschneidenden Massnahmen schrecken sie zurück.

Posten als Juniorentrainer sind attraktiv für pädophile Täter. Das sagt Janine Graf, Leiterin der Präventions-Fachstelle Mira. «Sie wissen, dass sie in Sportvereinen Jugendliche und Kinder antreffen.» Zudem gehöre es im Sport-Bereich dazu, dass man sich nahe komme. Körperliche Nähe und viel Zeit alleine mit Jugendlichen: Das sei genau das, was Täter suchen.

Zwar sei die Sportwelt heute viel aufmerksamer als noch vor einigen Jahren, sagt Luca Balduzzi vom Schweizerischen Fussballverband. Doch noch immer würden Täter geschützt und Übergriffe totgeschwiegen. «Ich nehme an, dass es solche Fälle gibt», sagt er. Gerade bei Personen, die während Jahren oder Jahrzehnten im Verein wertvolle Arbeit geleistet hätten, bestehe die Gefahr, dass man darüber hinwegsehe. «Das heisst aber nicht, dass wir das akzeptieren», stellt Balduzzi klar.

Beim früheren Verein nachfragen

Die Sportverbände rufen ihre Mitglieder dazu auf, bei Verdachtsfällen sofort Beratungsstellen einzuschalten. Und sie empfehlen, vor dem Engagement eines neuen Trainers bei dessen früherem Verien nachzufragen. Doch Janine Graf von der Fachstelle Mira weiss: Viele Clubs sind froh, wenn sie überhaupt einen Juniorentrainer finden. Da verzichte man rasch einmal auf langwierige Abklärungen, so Graf. Doch sie betont: «Dort erhält man oft wichtige Informationen, die relevant sind.»

Für Schulen gibt es staatliche schwarze Listen mit verurteilten Sexualstraftätern, die nicht mehr unterrichten dürfen. Im Sport gibt es das nicht. Doch solche Listen seien seit Jahren ein Thema, heisst es beim Fussballverband. «Persönlich würde ich sofort für eine schwarze Liste plädieren», sagt Luca Balduzzi. Doch wisse man meistens die Namen der fehlbaren Trainer nicht, zudem spiele der Datenschutz mit hinein. Tatsächlich dürfen private Vereine solch sensible Daten nicht sammeln und weitergeben.

Schwarze Liste würde nur Verurteilte erfassen

Doch schwarze Listen seien ohnehin kein Wundermittel, sagt Janine Graf. Denn viele Opfer würden keine Anzeige erstatten. Zwar wisse man: Da ist etwas geschehen. Aber die Täter werden nicht verurteilt und sind damit auch nirgends registriert. Sie ziehen einfach weiter – zum nächsten Verein.

So setzt denn auch SwissOlympic nicht auf schwarze Listen, sondern auf freiwillige Massnahmen. Der Dachverband empfiehlt den Vereinen, sie sollten von allen Trainern einen Strafregisterauszug verlangen. Genau das wollte der Bundesrat vor zwei Jahren zur Pflicht machen für Sportvereine. Doch dagegen wehrte sich ausgerechnet die Sportwelt: Zu aufwendig wäre das für die Vereine, sagt Adrian von Allmen von SwissOlympic. Zudem bringe es nur wenig. Denn so würden nur verurteilte Täter erkannt. «Uns erschien damals der Nutzen zu klein», so von Allmen.

Die Politik schaltet sich ein

Bewegung gibt es aber an einem anderen Ort: Eine Volksinitiative und eine Vorlage des Bundesrats verlangen Tätigkeitsverbote für verurteilte Sexualstraftäter. Ein verurteilter Trainer dürfte dann nicht mehr mit Jugendlichen arbeiten. Die Idee findet auch bei SwissOlympic Anklang. Der Sport-Dachverband lässt durchblicken: Das Nein zum obligatorischen Strafregister-Auszug sei nicht in Stein gemeisselt.