Atomkraftgegner setzen auf die AKW-Betreiber

Vor dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) in Brugg/AG halten Atomkraftgegner heute ihre tausendste Mahnwache ab. Mittlerweile hoffen sie nicht mehr auf die Politik, sondern auf einen Ausstiegsentscheid der AKW-Betreiber selbst.

Mehrere Aktivisten stehen mit Anti-Atom-Plakaten und -Fahnen auf der Strasse.

Bildlegende: Aktivist Heini Glauser (ganz links) protestiert fast täglich vor dem Ensi – hier bei einer Mahnwache vor zwei Jahren. SRF

Seit der Atomkatastrophe von Fukushima vor fünf Jahren fährt Heini Glauser jeden Abend von Montag bis Donnerstag mit seinem Velo vor das Gebäude des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorates (Ensi) in Brugg/AG. In seinem Anhänger hat er zwei Fahnen – mehr dürfen es nicht sein, hat der Brugger Stadtrat letztes Jahr verfügt. Ausserdem dürfen sich nicht mehr als sechs Personen an der Mahnwache beteiligen. Meist sind es aber ohnehin weniger.

Glausers Ziel ist in den fünf Jahren das Gleiche geblieben: «Wir stehen hier, bis das AKW Beznau vom Netz ist.» Bis vor Kurzem war seine Hoffnung noch gross, dass Beznau bald abgestellt wird und er nicht mehr jeden Abend vor dem Ensi-Gebäude stehen muss. Von der Politik ist Glauser jedoch enttäuscht. «Zwei Monate nach Fukushima sagte Bundesrätin Doris Leuthard, die Schweiz wolle aus der Atomenergie aussteigen.» In der Zwischenzeit sei von einem Ausstieg nicht mehr die Rede. «Es gibt nur den Beschluss, keine neuen AKW zu bauen.»

Die Wirtschaft soll’s richten

Nun setzt Glauser auf die Wirtschaft. Er möchte, dass das Beispiel des AKW Mühleberg, wo auch aus wirtschaftlichen Gründen Ende 2019 der Stecker gezogen wird, Schule macht. «Ich hoffe auf eine mutige Chefin eines AKW-Konzerns, die sagt, jetzt sei genug und wir hätten Besseres zu tun.»

Aber Glauser weiss: Seine Mahnwachen bewirken wenig, auch wenn es heute schon die tausendste ist. Dennoch ist der ehemalige Stiftungsratspräsident der Umweltschutzorganisation Greenpeace von seinem Widerstand überzeugt. «Es gibt Leute, die uns als Spinner anschauen, und andere, die Sympathien für uns haben und selbst an die Mahnwache kommen.» Bis heute hätten über 600 Personen mindestens einmal an der Mahnwache teilgenommen.

Das Atomkraftwerk Beznau in Döttingen/AG.

Bildlegende: Die Aktivisten wollen ihre Mahnwachen fortsetzen, bis das AKW Beznau vom Netz ist. Keystone

Hoffen auf Atomausstiegsinitiative

Neben der Hoffnung auf einen Ausstiegsentscheid durch die AKW-Betreiber setzt Glauser auf die Atomausstiegsinitiative der Grünen Partei. Würde diese vom Stimmvolk angenommen, müsste das AKW Beznau innerhalb eines Jahres abgestellt werden. Seine beiden Anti-Atom-Fahnen könnte Glauser dann im Keller lassen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Atomkraftwerke im Ausverkauf

    Aus 10vor10 vom 9.3.2016

    Der Stromkonzern Alpiq will seine unrentablen Atomkraftwerke Leibstadt und Gösgen loswerden. Eine staatliche Auffanggesellschaft soll sie übernehmen. Solche Forderungen in der Strombranche sorgen in der Schweiz für hitzige Diskussionen.

  • Die Axpo Holding AG präsentiert am Freitag die Zahlen für das Geschäftsjahr 2014/15.

    Axpo will weiterhin an Atomkraft festhalten

    Aus Rendez-vous vom 18.12.2015

    Der Stromkonzern Axpo schreibt tiefrote Zahlen. Der Grund: die Strompreise sind so tief, dass sich mit den Wasser- und Atomkraftwerken kein Geld mehr verdienen lässt.

    Doch obschon Kritiker aus ökonomischen Gründeneinen einen geordneten Atom-Ausstieg fordern, will Axpo an der Atomkraft, vor allem am problembehafteten Kraftwerk Beznau festhalten - vorläufig.

    Klaus Ammann