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Einheitskasse Weniger Wahlfreiheit mit Einheitskasse?

Die Schweiz wird bald über eine Volksinitiative für eine Einheitskasse abstimmen. Als positives Beispiel für ein Land mit einer staatlichen Krankenkasse wird gerne Dänemark genannt. Dort ist der Gesundheitsmarkt viel stärker reglementiert als in der Schweiz – etwa bei den Spitälern.

Arzt mit Stethoskop
Legende: Das Schweizer Stimmvolk wird entscheiden, ob es eine Einheitskasse will oder nicht. Colourbox

In Dänemark deckt die Einheits-Krankenversicherung 85 Prozent aller Gesundheitskosten ab. Dazu gehören auch grosse Teile der zahnärztlichen Behandlungen. Die allermeisten Dänen sind im Hausarztmodell versichert. Das heisst, vor der Konsultation eines Spezialisten muss der Hausarzt aufgesucht werden. Dieser kann gewechselt werden, aber nicht fristlos und nicht beliebig oft.

Viel weniger Spitäler in Dänemark

Für die Dänen sei die Zentralisierung des Gesundheitssystem «an der Oberfläche» nicht so entscheidend, sagt SRF-Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann. Er spricht damit die regionale Versorgung durch die Hausärzte an. Unterschiede zur Schweiz ortet Kaufmann dagegen im Spitalbereich. Dieser sei von den dänischen Behörden massiv reglementiert worden.

Hauptmassnahme: «Man hat die Zahl der Spitäler und der Spitalbetten reduziert.» Dies habe vor allem für jene Eingriffe Folgen, die geplant werden können, so Kaufmann. «Es entstehen sehr lange Wartezeiten.» Entsprechend seien die Unterschiede in diesem Bereich zum schweizerischen System mit den privat betriebenen Krankenkassen und einheitlichem Grundangebot am grössten.

Hohe Steuern, wenig Wahlfreiheit

Auch in Dänemark selber wird das dortige Gesundheitssystem kritisiert. Dies vor allem im Zusammenhang mit der grossen Steuerlast, die durch die Finanzierung der Grundversicherung entsteht. Trotz der grossen finanziellen Aufwendungen gebe es lange Wartezeiten für Eingriffe in Spitälern; oder ältere Menschen würden manchmal nicht die Behandlung erhalten, die sie bräuchten, sagt Korrespondent Kaufmann.

Hinzu kommt die Kritik an Behördenentscheiden, die ganz oben im Staatsapparat gefällt werden. «Es ist schon so, dass der Einzelne im dänischen Gesundheitssystem über weniger Wahlfreiheit verfügt, als in anderen Ländern», stellt Kaufmann fest.

Mit seinem Gesundheitssystem habe es Dänemark aber verstanden, die Kosten unter Kontrolle und unter dem Durchschnitt der OECD-Länder zu halten. Allerdings steigen die Ausgaben für die Gesundheit angesichts der technologischen Entwicklung im Medizinbereich und der demografischen Entwicklung – immer mehr Menschen werden immer älter – auch in Dänemark weiter an.

System Dänemark

Dänemarks Gesundheitswesen ist stark zentralisiert. Es gibt nur eine einzige, staatliche Krankenkasse. Finanziert werden deren Leistungen über die Einkommenssteuer. Der Selbstbehalt für Arztbesuche liegt bei 13 bis 15 Prozent. Die Spitalkosten werden voll übernommen, allerdings gibt es teils lange Wartezeiten für Operationen.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Was hier alles vermischt wird, ist schon erstaunlich! Schauen Sie doch mal bei uns hin. Aber NUR auf die Grundversicherung, nicht die Zusatzversicherungen. Darum geht es ja schliesslich. Nur mit einer Grundversicherung bekomme ich in der Schweiz auch längst nicht mehr alles. Ich muss immer draufzahlen, habe KEINE freie Spitalwahl (muss die Differenz selber tragen), bekomme immer weniger Medikamente bezahlt, haben keinen Zahnarzt, habe nur zwei Notfalltransporte pro Jahr, usw. Nix besser!
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Schon oft geschrieben: Die beste Lösung für "gerechte" Krankenkassen-Prämien wäre dasselbe System wie bei den Autoversicherungen mit Prämien-Stufen, aber ohne Bonus Schutz einzuführen. Vermutliche würden dann viele, die jetzt wegen jedem Pflaster zum Arzt rennen dieses nicht mehr tun, denn wer mehr Arztkosten verursacht zahlte auch mehr. Die Autoversicherer "fahren" auf alle Fälle gut damit, dito die Versicherten.
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    1. Antwort von Tom Duran, Basel
      Das wäre absurd und eine Katastrophe. Nur wer gesund ist, kann überleben? Wer chronisch Krank ist zahlt immer mehr? Wer Behindert ist zahlt immer mehr? Entschuldigen Sie, aber so denken unsere Politiker. WIR müssen ja denen nicht jeden Mist nachplappern, gell! Das wäre absolut asozial und dann könnten wir gleich den Versicherungszwang abschaffen, denn viele Kranke könnten das gar nicht bezahlen! Etwas mehr Solidarität unter uns Schweizern wenn ich bitten darf!
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @T. Duran: Nicht alle chronisch Kranken & Behinderte verursachen automatisch auch hohen Kosten! Und meistens haben diese eine IV-Rente inkl. EL, wo sie entsprechend unterstützt werden. Das ist auch gut so. Diese würde also das Bonus-System nicht betreffen. Es sind hauptsächlich diejenigen, die bei jedem "Pfnüsel" & "Boböchen" zum Arzt rennen, welche eben die hohen Kosten verursachen.
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  • Kommentar von Ch. Gerber, Basel
    Nein Danke! kein interesse an einer Einheitskasse.
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