Ziel: Eine bessere Vernetzung

Nach dem Nein zur Einheits-Krankenkasse graben Gesundheitspolitiker von links bis rechts die Idee von Managed Care wieder aus. Doch diese wurde vom Stimmvolk vor zwei Jahren verworfen. Jetzt sprechen alle von einer besseren Vernetzung von Ärzten und Spitälern.

Symbolbild: Eine Ärztin hört den Brustkorb eines Patienten ab, dieser liegt auf dem Untersuchungstisch.

Bildlegende: Ärzte sollen in Zukunft enger zusammenarbeiten – das spart Kosten. Keystone

Nach dem Nein zur Einheitskasse könne man die Hände nicht in den Schoss legen, sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Sonntag vor den Medien. Der Steigflug der Krankenkassenprämien müsse gebremst werden. Auch Managed Care – ein System in dem Ärzte und Spitäler für eine umfassende Betreuung der Patienten vernetzt zusammenarbeiten – müsse wieder zum Thema werden, sagt Berset. Er nennt das jetzt «koordinierte Versorgung».

Bei Chronischkranken Kosten sparen

Der Gesundheitsminister möchte dank einer effizienten Behandlung von Krebspatienten, Diabetes-Kranken, Menschen mit Demenz oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen also Kosten sparen. Das hatte am Sonntag nach verlorener Abstimmung auch Bersets SP gefordert.

«Ausgerechnet die SP», sagt dazu FDP-Ständerat Felix Gutzwiller. Er kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Vor zwei Jahren hatte die SP die Managed Care-Vorlage im Abstimmungskampf nämlich noch bekämpft. Inhaltlich ist der Präventivmediziner Gutzwiller aber einig mit Bundesrat Berset. «Managed Care ist ein sehr gutes Konzept», sagt er. Allerdings nur, wenn die Versicherten selber wählen könnten, ob sie sich diesem System anschliessen wollen. «Ein Zwang wäre sicher kontraproduktiv.»

IntegrierteVersorgung wird immer wichtiger

Das sieht auch SVP-Nationalrat Jürg Stahl so. «Im Gesundheitswesen wird die integrierte Versorgung eine immer stärkere Rolle einnehmen», ist er überzeugt. Dazu brauche es aber keine neuen Vorgaben des Staates. Bereits heute gebe zahlreiche gute Modelle, in denen die Ärzte Hand in Hand arbeiteten, so Kosten sparten und gleichzeitig eine sehr gute medizinische Leistung brächten, sagt Stahl. Man müsse diese Vorzeigemodelle einfach besser bekannt machen.

Das allein reiche nicht aus, widerspricht SP-Nationalrat Jean-François Steiert. Nur wenn sich die koordinierte Versorgung für die Krankenkassen lohne, werde sie auch breiter umgesetzt. «Es braucht Anreize, damit die Versicherer daran interessiert sind, langfristig in die Gesundheit der Patienten zu investieren.»

«Genereller Kulturwechsel»?

Steiert fordert deshalb kleine Reformschritte. Die SP sei nie grundsätzlich gegen Managed Care gewesen, betont er. Er will deshalb in den nächsten Wochen das Gespräch mit bürgerlichen Gesundheitspolitikern suchen.

Parallel dazu arbeiten Bund und Kantone bereits in dieser Richtung. Es gehe jetzt um einen generellen Kulturwechsel, sagt Salomé von Greyerz. Sie ist Leiterin der Abteilung Gesundheitsstrategien beim Bundesamt für Gesundheit. Es gehe darum, dass alle Hausärzte und Spezialisten besser zusammenarbeiteten.

Es gehe um Massnahmen, welche die Qualität der Behandlungen insbesondere für chronisch kranke Menschen verbessern sollen. Erste Lösungsansätze wollen Bund und Kantone zu Beginn des nächsten Jahres diskutieren.