Umstrittenes Bauprojekt beim Autobahn-Anschluss Lenzburg

27'000 Fahrzeuge benutzen täglich den Autobahn-Anschluss in Lenzburg: Immer wieder gibt es Stau. Nun soll ein 75-Millionen-Projekt das Gebiet Hornerfeld entlasten. Mit einem neuen Tunnel und neuen Strassen. Das Projekt ist stark umstritten.

Visualisierung neue Kreuzung beim A1-Zubringer in Lenzburg.

Bildlegende: Die Kreuzung beim Hero-Hauptsitz in Lenzburg soll künftig so aussehen. Das Ziel: Kein Stau trotz 27'000 Fahrzeugen. zvg

Die Aargauer Stimmberechtigten entscheiden am 3. März über ein Strassenbauprojekt, das zwar nur regionale Bedeutung hat, kostenmässig aber kantonale Dimensionen aufweist. Entschieden wird über die Entflechtung des Verkehrs im Gebiet Neuhof nördlich von Lenzburg.

Die Kosten dieses Projekts betragen 75 Millionen Franken. Damit soll die Kreuzung Neuhof so umgestaltet werden, dass die täglichen Staus künftig der Vergangenheit angehören. Über die von einer Lichtsignalanlage geregelte Kreuzung quälen sich heute pro Tag 27'000 Fahrzeuge.

Neuer Tunnel für Verkehr ins Freiamt

Visualisierung Tunnel Bauprojekt A1-Zubringer Lenzburg

Bildlegende: Ein neuer Tunnel (im Hintergrund) verbindet die Autobahn direkt mit dem Bünztal. Allein dieser Bau kostet 52 Millionen. zvg

22'000 davon benutzen die Achse zwischen der A1 und dem Bünztal. Der Rest des Verkehrs zweigt Richtung Lenzburg und Seetal ab oder durchquert die Kreuzung aus diesen Regionen in Richtung A1. Wegen der hohen Verkehrsfrequenzen ist die ungesicherte Verzweigung Lindfeld, die genau zwischen dem A1-Anschluss und dem Knoten Neufeld liegt, zu einem kantonalen Unfallschwerpunkt geworden.

Kernpunkt des Projekts ist ein 52 Millionen Franken teurer Tunnel, der die 22'000 Benutzer der Achse zwischen A1 und Bünztal kreuzungs- und signalfrei durch das Gebiet Neuhof lotst. Verkehrsprognosen sprechen bereits jetzt schon davon, dass diese Achse im Jahr 2025 von 26'000 Fahrzeugen täglich benutzt wird.

Im Rahmen der mehrjährigen Planung waren rund 20 Stossrichtungen und Varianten geprüft worden. Zur Diskussion standen zusätzliche Fahrspuren oder ein Grosskreisel, der auch den Knoten Lindfeld miteinbezogen hätte.

Der Aargauer Grosse Rat hatte dem Projekt am 4. Dezember letzten Jahres mit 85 zu 40 Stimmen zugestimmt. SVP, FDP und grossmehrheitlich auch CVP/BDP waren für das Projekt, die Grünen und die SP sprachen sich dagegen aus. 41 Ratsmitglieder vor allem von der linken Ratsseite ergriffen darauf das Behördenreferendum, das eine kantonale Abstimmung auslöste.

Übertriebenes oder angemessenes Projekt?

Die Gegner bezeichnen das Projekt als übertrieben: Das Projekt bringe einen «ganzen Rattenschwanz von neuen Strassen». Dies sagte die grüne Grossrätin Irene Kälin an einer Medienkonferenz. Das Projekt sei überrissen und auf Spitzenstunden ausgerichtet, sagte Jürg Caflisch, SP-Grossrat und Präsident des VCS Aargau.

Gegen das vom Kantonsparlament gutgeheissene Vorhaben kämpfen auch die EVP, die Grünliberalen sowie der WWF, Pro Natura und Birdlife Aargau. Regierung, bürgerliche Parteien und TCS stehen für das Bauprojekt ein. Nur die vorliegende Variante könne den ständigen Stau in der Region Lenzburg verhindern, sagte FDP-Grossrat und TCS-Präsident Thierry Burkhardt im Regionaljournal von Radio SRF.

Prognosen zum Ausgang der Abstimmung sind schwierig. Vor allem Autofahrer aus der Region dürften sich für das teure Bauprojekt aussprechen. Der ausschliesslich regionale Nutzen könnte aber in anderen Kantonsteilen für Skepsis sorgen. Denn 75 Millionen Franken sind viel Geld.